27.2.10

Architektur in Paris

Geradezu euphorisch berichtet Frédéric Edelmann in Le Monde über eine Ausstellung im Pavillon d'Arsenal in Paris: Hier sind 58 Architekturmodelle aus dem Besitz des Centre Pompidou ausgestellt, die realisierte Bauprojekte in der Metropolenregion Paris zeigen. Œuvres construites, 1948-2009 - Architectures de collection, Paris Ile-de-France heißt die Ausstellung, die laut Edelmann eine "ville imaginaire" entstehen lässt - auch gerade deswegen, weil sie die über 60 Jahre Pariser Architekturgeschichte nicht lückenlos erzählt. Vieles kennt man aus den Parisbesuchen, das CNIT in La Défense über die Tour Montparnasse aus den 1950er Jahren oder die Bauten von Jean Nouvel wie die Fondation Cartier.

Fantastisch und pfiffig ist nach Edelmann die Inszenierung, die die Modelle, Zeichnungen mit Videoinstallationen und Spiegeln kombiniert. Er verspricht uns ein großes Vergnügen in der Ausstellung - auch wenn ihm nicht alle Modelle bzw. die Realisierung gefallen.
Etwas kritischer über die Ausstellung berichtete Marc Zitzmann in der NZZ - für ihn ist "die Schau eine Spur zu oberflächlich".

Da hilft wieder einmal nichts: selbst hinfahren! Bis Ende März haben wir dazu noch Zeit.
Das Pavillon d'Arsenal ist sowieso immer eine gute Adresse für alle, die sich für Architektur und Pariser Stadtplanung interessieren. Und: der Eintritt ist frei.

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10.12.09

Was wird aus dem Palais de la Découverte?

Der Palais de la Découverte in Paris ist eine feste, gewissermaßen magische Institution unter den Pariser Museen - obwohl er nur etwas über 70 Jahre alt ist (was in Paris ja nicht viel ist...). Eingerichtet in einem Teil des Grand Palais sollte hier anlässlich der Weltausstellung 1937 den breiten Massen die sogenannten harten Wissenschaften näher gebracht werden.

Nach der Weltausstellung wurde er erst einmal wieder geschlossen, dann auf Dauer wieder eröffnet - unter der der Leitung von diversen Ministerien. Seit 1990 ist der Palais ein "Etablissement Public à caractère Scientifique, Culturel et Professionnel" - d.h. eine universitäre, wissenschaftliche Institution, die vom Bildungs-und Forschungsministerium abhängt.

In dem schönen Gebäude mit den dunklen Galerien kann man in der Tat einiges entdecken - von Physik über Chemie bis hin zu einer Sternwarte. Es ist nicht so sehr ein Museum, als ein lebendiger Ort, an dem Wissenschaft v.a. in Form von Experimenten näher gebracht werden sollen. Das Haus ist immer voll (rund 600 000 BesucherInnen pro Jahr), vor allem mit SchülerInnen, die gerne die vielen interaktiven Angebote nutzen. Der Besuch des Palais de la Découverte hat etwas von Museums-Initiation - man erinnert sich nachhaltig auch nach Jahre später an den Besuch, und das gilt für viele Generationen.

Nun werden der Palais de la Decouverte mit dem noch viel jüngeren, anderen Wissenschaftsmuseum von Paris, der Cité des Sciences et de l'industrie, zusammengelegt - was die MitarbeiterInnen des Palais gar nicht gutheißen können. Der Hauptgrund ist: Der Status wird geändert, und der Palais ist künftig keine reine wissenschaftliche Einrichtung mehr, sondern wie die Cité ein Établissement public industriel et commercial.
Vieles ist noch offen - was wird aus den MitarbeiterInnen, was wird aus den wissenschaftlichen Zielen? Die MitarbeiterInnen und vielen Sympatisanten sprechen von einem angekündigten Tod des Palais - erwartet uns nun künftig ein liebloses Medienspektakel wie in der Cité?

das Foto stammt aus wikipedia.

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19.10.09

Fundstück




Vor Jahren einmal im Musée national d'art moderne im Centre Pompidou in Paris gesehen, fotografiert und in der Fotokiste wiedergefunden.

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12.9.09

Sitzen im Museum XIII



Sie sind schön anzusehen: die Sitzgelegenheiten in den Galeries de Paléontologie et d'Anatomie comparée des naturhistorischen Museums von Paris.

Nicht immer ist es allerdings ratsam, sich auch hinzusetzen:



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28.7.09

Im Louvre spazieren gehen

Irgendwo hatte ich gelesen, dass es die sogenannten arts premiers im Louvre - also die im April 2000 im Pavillon des Sessions eingeweihten Räumlichkeiten nicht mehr gibt. Die 140 Werke aus Afrika, Asien, Süd- und Nordamerika und Ozeanien, die den Prolog zu dem damals in Planung befindlichen Musée du quai Branly bildeten, wären nun dorthin umgezogen. Auch Pariser Freunde waren sich unsicher, ob die Stücke überhaupt noch zu sehen sind.

Auf der Internetseite des Louvre ist nichts zu finden - denn wo sollte man hier zum Beispiel (siehe links) anfangen zu suchen? Auch mit dem Stichwort "Pavillon de Sessions" war nichts Aktuelles auf der Seite zu finden - außer einem Link zur Startseite des Musée du quai Branly. Im zuverlässigen "l'officiel des spectacles", dem günstigen Heft mit allen wichtigen aktuellen kulturellen Daten von Paris (das, seit ich es kenne, noch nie das Layout geändert hat), steht die Abteilung immerhin drin.

Einfach einmal selbst nachsehen: An einem Montag morgen im Juli, kurz nach Öffnung des Louvre, nehme ich den Haupteingang. Das war keine so gute Idee, denn die gesuchte Abteilung liegt eher an der Seite der Seine, wie ich mich dann erinnere. Zu spät - aber der Umweg erlaubt einen angenehmen Spaziergang durch das Gebäude.

Die nette Aufsicht meint: "Da müssen Sie erst einmal hoch, dann durch die Abteilung mit den spanischen Gemälden und dann wieder hinunter." Es wird nicht die erste Aufsicht sein, die ich frage - denn auch mit einem Plan ausgestattet, ist das einfacher gesagt als getan. Der Weg führt durch die große Galerie und hat etwas vom Rekord aus La Bande à part. Schilder pflasterten nicht gerade den Weg, waren aber ab und an durchaus nützlich.



Nach einigen Treppen, Schildern und geschätzte 10 Minuten später (obwohl ich mir nur verstohlene Seitenblicke auf die Gemälde erlaubte, die den Weg säumten) erreichte ich das Ziel.


Es gibt die Abteilung also noch! Bei der Eröffnung hat sie viele Proteste ausgelöst, da Staatspräsident Chirac sie gegen den Willen des Museums durchgesetzt hatte - von den anderen Turbulenzen, was die Herkunft der Stücke betrifft, ganz zu schweigen. Aber auch außerhalb des Museums bezweifelten damals viele WissenschaftlerInnen, damit könne die Hierarchie der Kulturen - so das Argument - aufgehoben werden. Dazu bald noch mehr, wenn es hier um Les Arts d'Afrifque, d'Asie, d'Océanie et les Amériques - revisited geht.

Und fast 10 Jahre nach der Eröffnung macht der mächtige Louvre immer noch klar, dass diese Art von Werken hier eigentlich unerwünscht sind - im Internet, durch die Lage, die Wegführung, und auch damit: so ist auf dem Raumplan, der allen Abteilungen eine Farbe zuweist, dieser Abteilung für die außereuropäischen Stücke keine eigene Farbe zugeordnet. Das kleine, weiße Kästchen mit dem schwarzen Rahmen macht auch dem unbedarften Betrachter deutlich: das gehört eigentlich nicht hierher.

Dafür hat man auf alle Fälle genug Platz und Ruhe, sich die Objekte gemächlich anzuschauen - denn von der Menschenmasse, die sich sonst im Louvre rumdrückt, verirrt sich kaum jemand hierher.

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26.7.09

Die Gärten des Monsieur Kahn


Albert Kahn wollte nicht nur einen Garten haben - sondern seine sieben Gärten sollte unterschiedliche Gartenkulturen vorstellen, sozusagen eine Reise um die Welt erlauben. Die etwa 4 Hektar große Gartenanlage ist Teil des Musée Albert Kahn in Boulogne-Bilancourt, das hier beschrieben wird.

In Dialog treten sollten die Gärten miteinander und das heisst heute, dass die Besucherin mit einem Plan ausgestattet, den kleinen, verschlungenen Wegen folgt. Die Vegetation ändert sich nahezu unmerklich. Sehr auffällig, weil sofort als "anders" erkannt, sind natürlich die japanischen Gärten. Der erste Bereich ist ausgestattet mit zwei Pavillons, in denen japanische Teezeremonien abgehalten werden. Eines der beliebtesten Fotomotive ist heute die Brücke im neuen japanischen Garten, wo man einen Zen-Garten bewundern, auf kleine Hügel klettern und den Kois im Teich beim Schwimmen zusehen kann. Dieser Teil des Gartens wurde als Hommage an Albert Kahn 1990 von einer japanischen Landschaftsarchitektin neu gestaltet.

Aber auch die elsässische Herkunft von Kahn kommt nicht zu kurz: So liegen im Vogesen-Wald kleine Felsbrocken verstreut zwischen den Bäumen. Im Sumpfgebiet wiederum schaut man den Seerosen beim Wachsen zu und im Obstgarten kann das kunstvoll gewachsene Spalierobst und Rosen bestaunt werden. Der englische Garten mit seiner großen Wiesenfläche hätte man fast übersehen, da er sich, wie immer, vornehm zurückhält und Natürlichkeit vortäuscht.



Hinter dieser Bank ist der Wald blau - la forêt bleue vereint Nadelgewächse, die einen blauen Schimmer haben. Und am rechten Bildrand kann man gerade noch die Villa von Herrn Kahn erkennen, die offensichtlich leersteht.





Der französische Garten hingegen ist gewohnt streng und rechtwinklig, geradezu etwas langweilig. Mit Sichtachsen ist er mit dem englischen Garten verbunden.
Vor dem Palmarium würde wunderbar ein Café hinpassen, mit wunderbaren altmodischen, verschnörkelten Eisenstühlen und -tischen.


Und so plätschert der Bach in Ruhe vor sich hin, ohne von lärmenden Café-Gästen, die sich für das Anliegen des Monsieur Kahn nicht interessieren, gestört zu werden. Die Kois kommen neugierig ans Ufer, um die Besucherin zu bestaunen und die Zeit scheint stillzustehen. Hat sich eigentlich seit den Zeiten von Herrn Kahn hier etwas geändert?

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24.7.09

Indien in Boulogne-Bilancourt

Interessant, angenehm und abwechslungsreich: das Musée Albert-Kahn in Boulogne-Bilancourt bei Paris. Zur Erinnerung: Albert Kahn (1860-1940) war Bankier, aber vor allem Humanist, der die ganze Welt in seinem Projekt "Archiv des Planeten" vereinen wollte. Dafür engagierte er Fotografen und Kameraleute, die die Welt bereisten und so viel Foto- und Filmmaterial mitbrachten, das noch heute ausgewertet wird. Der Museumsblog hat hier anlässlich einer BBC-Sendereihe auf Arte berichtet, hier ist das Buch dazu.
Ende des 19. Jahrhundert erwarb Kahn das Gelände in Boulogne, um sich eine Villa zu bauen, vor allem aber, um Gärten anlegen zu lassen, die eine Reise um die Welt erlaubten. Die Gartenanlagen sind bis heute zu besichtigen. Neu hinzugekommen ist das schlichte und funktionale Museumsgebäude, das interessanterweise vom Garten aus gar nicht zu sehen ist.


Das Museum hat sich zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr einen Teil der über 72.000 Farbfotografien des Bestandes zu bearbeiten. Dieses Jahr widmet sich die Ausstellung Indien - Infiniment Indes so ihr Titel. Gleich von Anfang an wird die Besucherin in ein stimmungsvolles Ambiente versetzt: Selten habe ich eine Foto-Ausstellung gesehen, die soviel Sorgfalt im Umgang mit den Objekten zeigt und die zugleich so kreativ und liebevoll inszeniert ist.

Die Ausstellung ist auf zwei Ebenen angelegt: zum einen geht es darum, ein Teil des Archivs des Planeten vorzustellen. Zum anderen sollen verschiedene Regionen, Architektur, Alltagsszenen und Persönlichkeiten Indiens im frühen 20. Jahrhundert gezeigt werden.

Zwei Fotografen waren für Kahn's Projekt in Indien unterwegs: zwischen 1913 und 1914 war es Stéphane Passet und 1927-1928 Roger Dumas. Zusammen erstellten sie über 1 200 Autochrome und brachten über zwei Stunden Filmmaterial mit. Mit einigen Filmausschnitten und mit rund 150 Fotografien ist nur ein Bruchteil der mitgebrachten Aufnahmen in der Ausstellung zu sehen - aber sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt. Dem Thema angepasst sind die indischen Dekors, die Raumtexte und Objektbeschriftungen, die Sitzmöbel und die leise Musik, die im Hintergrund läuft - alles aber so dosiert, dass es sehr gut verdaulich ist.

Am Anfang der Ausstellung wird erklärt, weshalb man die Autochrome - also Glasplatten - nicht als Original zeigen kann. Natürlich spielen hier konservatorische Gründe eine Rolle, aber auch ästhetische, sind die Platten doch sehr klein. Auch noch der zeitgenössische Abzug lässt die Betrachterin in den Genuß der einzigartigen Farbnuancen kommen, die den autochromen Aufnahmen zu eigen ist. Jeder Abzug ist mit einer kurzen Objektbeschriftung versehen. Wer möchte, kann im ausliegenden Begleitheft noch mehr lesen - auf französisch und auf englisch.

Die Vergrößerungen sind schlicht und reizvoll in Szene gesetzt: der vergrößerte Rahmen der Platte ist zugleich auch der Rahmen der Vergrößerung. Nur im Prolog sind Originale zu sehen - die illustren Gäste aus Indien, die Albert Kahn in Boulogne empfing - wie den bengalischen Dichter und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore.
Die Fotografien sind thematisch geordnet, beschäftigen sich mit Themen wie Wasser, Architektur oder Straßenszenen und sind in Nischen gehängt. Man hat genug Raum, sich alles in Ruhe anzuschauen, zu lesen und sich auf die fremden Welten einzulassen. Obwohl die Bilder inszeniert sind, haben sie etwas von zeitlosen Momentaufnahmen.

Der zweite Teil der Ausstellung ist dem Maharaja Jagatjit Singh von Kapurthala gewidmet, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts von französichen Architekten eine Art Versailles im Mini-Format im damaligen Fürstenstaat errichten ließ.


Die Ausstellung ist informativ und schön anzusehen zugleich - viel Atmosphäre, ohne kitschig oder nostalgisch zu wirken.

Aufgrund des Publikumerfolges - über 70.000 Besucherinnen - wurde die Ausstellung noch bis zum 30. August verlängert. Vielleicht hat auch der niedrige Eintrittspreis von 1,50€ die vielen Besucherinnen angezogen - kosten doch die Pariser Museen im Durchschnitt 8 € Eintritt.

Und ist man schon einmal dort, kann man sich dann auf die bereits digitaliserten Teile des Archis auf einem Monitor anschauen. Auch einige Archivkartons und Kameras sind ausgestellt.

Dann folgt der zweite Akt des Museumbesuchs - der Garten, besser die Gärten. Darüber wird die Tage hier berichtet.

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7.7.09

Menschliche Überreste können bestattet werden

"Der Kopf bleibt hier", so titelte FAZ.NET 2007 einen kurzen Artikel über die mumifizierten Köpfe der Maori, die sich in französischen Museen befinden. Das Musée du quai Branly stellt die Schädel auf eine Ebene mit ägyptischen Mumien - so sei es nach Ansicht des Museums legitim, die menschlichen Überreste, die v.a. im 19. Jahrhundert nach Frankreich kamen, zu behalten. Freilich werden die Köpfe in keinem französischem Museum mehr ausgestellt; eine Diskussion wurde 2007 entfacht, als ein Museum in Rouen einen Kopf zurückgeben wollte, die damalige Kulturministerin das aber verhinderte.

Nun sollten sich das MqB und andere Museen darauf einstellen, dass die Köpfe nicht mehr lange in den Depots sind: Ende Juni hat französische Nationalversammlung einstimmig einen Gesetzentwurf verabschiedet, in dem beschlossen wird, die Köpfe aus allen französischen Sammlungen zurückzugeben, um sie in Neuseeland zu bestatten. Auf diese Weise kommt der französische Staat langjährigen Rückgabeforderungen der Maori endlich nach.

Die öffentliche Sitzung bot auch Gelegenheit für den Kulturminister Mitterand, ein Statement abzugeben: "Man baut Kultur nicht auf Handel oder Verbrechen auf. Man schafft Kultur durch Respekt und Austausch."
Nachlesen kann man das alles in Le Monde. Hier kann man auch lesen, dass im Gesetzentwurf eine bereits bestehende Kommission wiederbelebt werden soll, die den Bestand der musealen Sammlungen genauestens überprüft. Museumskustoden und Wissenschaftlerinnen befürchten, dass damit Tür und Tor für Begehrlichkeiten geöffnet werden und die Unantastbarkeit der Sammlung bedroht ist.
Die Rückgabe von menschlichen Überresten war auch Gegenstand einer Tagung in Paris im Februar 2008 - mehr darüber hier im Museumsblog.

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3.7.09

Poker um die nationale Geschichte

Frankreich bekommt ein Geschichtsmuseum - diesen Plan hat Staatspräsident Sarkozy ja schon im Januar angekündigt (hier im Museumsblog). Jean Pierre Rioux war dann beauftragt worden, Standorte vorzuschlagen. Es soll etwas Prestigeträchtiges sein, denn es geht nicht nur um ein Museum für die französische Geschichte, sondern es soll ja auch das Museum von Herrn Sarkozy werden.

Der Bericht des Herrn Rioux wurde nie publiziert. Le Monde macht dennoch einiges öffentlich: Fünf Standorte werden hier favorisiert: Das Hôtel des Invalides, der Grand Palais, der Palais de Chaillot, das Schloss von Fontainebleau und das Schloss von Vincennes. Freilich, nicht alle diese Gebäude haben Platz: In Invalides teilt sich das Armeemuseum mit verschiedenen anderen Institutionen den engen Raum; im Palais de Chaillot befinden sich u.a. das Musée de l'Homme und das Marine-Museum.

Versailles ist anscheinend ganz aus dem Rennen - hier hatte sich der umtriebige Direktor Jean-Jacques Aillagon um ein nationales Geschichtsmuseum bemüht. Ebenso ist nichts mehr vom Musée de l'Histoire de France im Nationalarchiv in Paris zu hören.

Vor allem drei Orte stehen wohl in der engeren Auswahl: Invalides, Vincennes und Fontainebleau. Die beiden ersten Orte haben den Nachteil, dass hier das Verteidigungsministerium der Hausherr ist; das neue Museum wird aber in den Zuständigkeitsbereich des Kulturministeriums fallen - man befürchtet Konflikte. Fontainebleau hat den Vorteil, bereits zum Kulturministerium zu gehören; allerdings ist das Schloss etwa 60 km von Paris entfernt. Der neue Kulturminister Mitterrand bevorzugt anscheinend diesen Standort.

Was er oder andere wollen, ist aber in diesem Falle nicht so wichtig: der eigentliche Hausherr, der sich hiermit ein Denkmal setzen möchte, wird entscheiden. Irgendwann demnächst. Wie das alles geht, hat ja sein Vorgänger (und andere) vorgemacht - Geld von anderen kulturellen Projekten abziehen, möglichst viele Personen anheuern, sich Objekte aus anderen Sammlungen beschaffen... Und wird Jean Nouvel wieder den Neubau bauen dürfen?

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24.6.09

Neuer Kulturminister in Frankreich

Nun ist es offiziell: es gibt (wieder einmal) einen neuen Kulturminister in Frankreich. Den Namen kann man sich dieses Mal gut merken - es ist Frédéric Mitterrand, der Neffe des ehemaligen Staatspräsidenten François Mitterrand. Der neuen Kulturminister ist Autor, war schon Schauspieler, Kino-Besitzer und vor allem hat er beim Fernsehen als Programmdirektor und Moderator gearbeitet. Zuletzt hat er die die französische Akademie in der Villa Médicis in Rom geleitet. Kino ist wohl seine Leidenschaft - ob es die Museen auch werden können?

Hier steht etwas über den neuen Kulturminister in der Libération und hier in der Süddeutschen Zeitung.

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28.5.09

Der Grundstein für den Wüstenlouvre ist gelegt

"Eine Botschaft der Toleranz", so beurteilte die französische Kulturministerin Christine Albanel die Auswahl der Werke für diese Ausstellung. Freilich, die Christus-Skulptur, der chinesische Buddha, der mamlukische Koran und die griechische Amphore hätte hierzulande niemand zu solch einem Kommentar veranlasst. Doch die Ausstellung, in der diese Werke u.a. präsentiert werden, ist in Abu Dhabi im Hotel Emirate Palace zu besichtigen und trägt den Titel: Talking Art: Louvre Abu Dhabi. Sie ist so etwas wie eine Vorschau auf die umstrittene Außenstelle des Louvre, die 2013 eröffnet werden soll.
Die Zeitung Le Monde berichtet über die Ausstellungseröffnung am 26. Mai und beschreibt, wie sehr alle sich über diesen Anlass freuen, auch Herr Sarkozy, der die überschaubare Ausstellung eröffnete. Zehn Stücke stammen aus französischen Museen, 19 Stücke wurden für die Außenstelle erworben und hier erstmals gezeigt. Bei der Außenstelle des Louvre ging es ja vor allem auch um den Transfer von europäischer Kultur. Allzuviel Europa sollte es dann auf islamischen Boden dann auch nicht sein: nackte Frauen - ein doch sehr beliebtes Sujet der europäischen Maler über Jahrhunderte hinwege - gibt es hier keine zu sehen. So etwas hatten die KritikerInnen ja schon zuvor befürchtet.
Le Monde erinnert auch daran, dass die zehn ausgeliehenen Bilder zur Vereinbarung gehören, die Abu Dhabi mit der französichen Regierung geschlossen hatte - bis zur Eröffnung sollen französische Museen bis zu 300 Bilder pro Jahr an die Vereinigten Emirate ausleihen (und erhalten dafür 1 Milliarde Euro).
Dem neuen Museum kam man bei dieser Gelegenheit auch ein Stück näher: Sarkozy und Scheich Muhammad ibn Zayid Al Nahyan legten den Grundstein für das von Jean Nouvel konzipierte Gebäude. Dabei handelte es sich um einen Behälter mit Botschaften von einem französischen Kind und einem Kind aus dem Emirat. Was auf diesen Zetteln stand, weiß Le Monde aber leider nicht.

Die Liberation hat den Anlass vor allem dazu genutzt, auf die miserablen Bedingungen hinzuweisen, denen die Arbeiter, zumeist Einwanderer aus Südasien, auf der Riesenbaustelle auf der Insel ausgesetzt sind. Die Zustände waren in einem Bericht von Human Rights Watch kritisiert worden. Auf der sogenannten Glücksinsel, auf der die Prestige-Museen wie eine weitere Außenstelle von Guggenheim stehen werden, ist hinter den Kulissen Toleranz wohl ein Fremdwort.

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28.4.09

Figurinen im Museum IV


Allein unter Männern: Bei Madame Puech handelt es sich um die Kantinenchefin vom 67. Infanterie-Regiment in Frankreich um 1880. Sie wurde wohl nach einem Foto erstellt und steht im Pariser Armeemuseum in einer Vitrine mit Soldaten und Offizieren. Diese sollen nicht nur die Vielfalt der Uniformen in Frankreich zu der Zeit zeigen, sondern stehen auch für die verschiedenen regionalen Physiognomien, die man vorzufinden glaubte. Es handelt sich zweifellos um historische Figurinen - die aber nicht als solche auf den ersten Blick zu erkennen sind bzw. es fehlen die Hinweise dazu.

Und manchmal begegnet man in diesem Museum echten Personen, die im ersten Moment an die Figurinen in der Vitrine erinnern.....


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1.4.09

Wer hat Angst vor der "Cité de l'Immigration"?

Die Cité nationale de l'histoire de l'immigration die versucht, den Beitrag der Immigranten zur Geschichte Frankreichs zu verdeutlichen wurde am 10. Oktober 2007 dem Publikum zugänglich gemacht ohne dass jedoch jemals eine offizielle Eröffnung erfolgte.
Eine neue Gelegenheit für eine offizielle Anerkennung dieses wichtigen Museums und Dokumentarzentrums stellte die Eröffnung der Mediathek am 30. März dar. Vier Minister waren ursprünglich angesagt, doch der Präsident der Cité, Jacques Toubon, zog es vor, diesen Ankündigungen nur vorsichtig Glauben zu schenken. Er hatte recht: Kulturministerin Christine Albanel und Valérie Pécresse, Wissenschafts- und Universitätsministerin hatten schon einige Tage zuvor wichtige Agenda als Entschuldigung herangezogen. Eric Besson, Minister für Immigration und Integration sowie Erziehungsminister Xavier Darcos sagten kurzfristig ihre Teilnahme an den Eröffnungsfeierlichkeiten ab, da es vor dem Museum zu Protestaktionen kam.
Es ist einerseits kurios dass Politiker die Cité zu meiden scheinen, andererseits darf man sich auch über die Protestaktionen wundern. Sind sie angesichts der Einwanderungspolitik natürlich nicht überraschend, so sind sie aber gerade an diesem Ort nicht wirklich am Platz. 
Die nach dem Soziologen und Immigrationsspezialisten Abdelmalek Sayad benannte allgemein zugängliche Mediathek bietet zur Thematik der Migration  10.000 Bücher,  8.000 Artikel, 1.000 Dokumentar- und Spielfilme sowie eine grosse Zahl von schriftlichen und sonoren Zeugnissen und Datenbanken.
Die aktuelle Ausstellung widmet sich dem Vergleich zwischen der Situation in Frankreich und in Deutschland seit 1871 ("A chacun ses étrangers? France-Allemagne de 1871 à nos jours", bis zum 19. April), danach stehen die "banlieues" auf dem Programm ("Banlieues. Photographies de Patrick Zachmann", 26.5.-30.9.) und gegen Ende des Jahres eine Kulturgeschichte der maghrebinischen Einwanderung ("Générations, un siècle d'histoire culturelle des Maghrébins en France").

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30.3.09

Rasen und Bäume für ein attraktiveres Museum

17 Millionen Euro wird man sich in Paris die Sanierung der Cité des sciences et de l'industrie in Paris kosten lassen - kosten lassen müssen, denn nach 23 Jahren bröckelt schon etwas Farbe ab. Auch vor der Institution wird kräftig erneuert: der große, leere, gepflasterte Platz vor der Cité der besonders bei schlechtem Wetter immer so abweisend wirkte, wird mit Rasen und Bäumen bepflanzt - auf dieser Weise steht die Cité komplett im Park. Bis 2012 sollen die Sanierungsarbeiten fertiggestellt sein; werden peu à peu vollzogen. Das stand hier in Le Monde.
Und noch ein Nachtrag zu den Besucherzahlen: die Cité ist in den Top five der meist besichtigten Museen in Frankreich. Aus der von mir im Museumsblog genannten Statistik fiel sie heraus bzw. wurde extra aufgeführt (aus Gründen, die ich nicht kenne): 2007 hatte die Cité über 3 Millionen BesucherInnen. Seit der Eröffnung 1986 sind das insgesamt über 67 Millionen Menschen, die sich die Ausstellungen und/oder Dauerausstellung anschauten.

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10.3.09

Fotografie braucht Text

„Nicht der Schrift-, sondern der Photographie-unkundige wird, so hat man gesagt, der Analphabet der Zukunft sein.“ - so Walter Benjamin. Es heisst aber in der "Kleinen Geschichte der Photographie" weiter: „Aber muss nicht weniger als ein Analphabet der Photograph gelten, der seine eigenen Bilder nicht lesen kann? Wird die Beschriftung nicht zum wesentlichsten Bestandteil der Aufnahme werden?“

Dass die Bildunterschrift eng mit der Fotografie gekoppelt ist, da sich ein Bild nicht immer von selbst erklärt, darauf verweisen gleich zwei Fotografie-Ausstellungen - allerdings aus zwei ganz verschiedenen Richtungen.

In Paris zeigt die Ausstellung Controverses in der Nationalbibliothek, die aus dem Musée d'Elysée in Lausanne kommt, mehr oder weniger eindeutige Bilder. Kontroversen erzählt die Skandale, die mit den Fotografien vermittelt wurden, - also Fotografien, die angeeckt haben, die verboten wurden und über die man sprach. Dies wird von den Anfängen der Fotografien bis in die Gegenwart abgehandelt. Es sind viele bekannte Fotografien dabei - wie der Kuss am Hotel de Ville von R. Doisneau, der Soldat von Capa oder die küssende Nonne vom Werbefotografen Toscani. Während beim letzten Foto der Konflikt offensichtlich ist, braucht man bei den anderen Informationen - und Bildtexte bekommt man wohl zu Genüge.
In Paris kamen noch weitere Fotografien hinzu: etwa ein Propaganda-Foto aus der Zeit der Besatzung von André Zucca (der Museumsblog berichtete hier darüber), oder ein Foto-Porträt von Sartre, aus dem man die Zigarette wegretuschiert hatte. Das stammte im übrigen aus einer eigenen Ausstellung der Nationalbibliothek...
Dem Rezensenten in Le Monde hat es auf alle Fälle gut gefallen. Hier kann man sich einige der Fotos anschauen.

Die andere Ausstellung wird gerade in Wien, in der Albertina gezeigt. Die Fotografie und das Unsichtbare, eine Ausstellung, die vom San Francisco Museum of Modern Art stammt, geht auch bis in die Anfänge der Fotografie zurück und zeigt das, was das menschliche Auge sonst nicht sehen kann. Zum Beispiel eine männliche Krätzmilbe, die Auguste-Adolphe Bertsch in den 185oer Jahren aufgenommen hat, Pflanzenquerschnitte oder Mikrodaguerreotypien von W. H. Fox Talbot. In der Bildergalerie kann man sich einige der Fotografien anschauen, auf Ö1 Inforadio kann man ein Interview mit der Kuratorin Monika Faber anhören.

In beiden Ausstellungen bleibt letztendlich die Frage offen, ob man seinen Augen trauen kann. Es wäre bestimmt interessant, die beiden Ausstellungen gleich hintereinander anzusehen. Zwischendurch könnte man im jeweiligen Katalog blättern....

Controverses, Bibliothèque nationale de France
58, rue de Richelieu, 75o02 Paris
Di- Sa 10-19, So 12-19 Uhr
bis zum 24. Mai

Die Fotografie und das Unsichtbare
Albertinaplatz 1, 1010 Wien
täglich 10- 18 Uhr, Mi 10 - 21 Uhr
ebenfalls bis zum 24. Mai

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25.2.09

Kunst in der Vorstadt


MAC/VAL ist die Abkürzung für Musée d'art contemporain du Val-de-Marne. Im Ort Vitry-sur-Seine gelegen, ist es das erste Museum für zeitgenössische Kunst in der Banlieue von Paris. 2005 wurde das Museum eröffnet; Schwerpunkt der Sammlung ist die französische Kunstszene ab den 1950er Jahren. Nun wurde die Dauerausstellung wieder einmal neu inszeniert. Unter dem Motto "Je reviendrai" sollen sich die BesucherInnen auf eine Reise in das Innere, Imaginäre begeben. Zum Ausstellungsbesuch gehört ein kostenloser Audioguide, in dem sich ein Paar über die ausgestellten Werke unterhält... Auf der Seite des Herstellers Audiovisit kann man sich das schon einmal anhören (wenn man französisch versteht, hat man natürlich noch mehr Freude daran).

Der Ausflug in die Vorstadt lohnt auf alle Fälle: das Gebäude von Jacques Ripault ist luftig gebaut und hat neben einem schönen Café-Restaurant auch noch einen großen Garten. Zudem ist das Museum ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Als ich da war, habe ich der Dame von Alain Séchas lange beim Rauchen zugeschaut.




Hier noch ein Artikel in der taz von 2005, als das Museum eröffnet wurde.

MAC/VAL
Place de la Libération
94400 Vitry-sur-Seine
Di-So 12 bis 19 Uhr

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22.2.09

Das Archiv der Erde


Ein fotografisches Museum der Menschheit: Die wunderbare Welt des Albert Kahn heißt die die BBC-Dokumentation, die ab morgen bis zum 5. März auf Arte ausgestrahlt wird.
Schon die einführende Sendung am Samstag hat Lust auf mehr gemacht.
Albert Kahn war ein Bankier aus dem Elsass, der sich nicht nur dem Geld verdienen, sondern auch der Weltverbesserung verschrieben hatte: Völkerverständigung war sein oberstes Ziel. Dafür unterstützte er viele Institutionen bzw. begründete selbst welche, schickte Stipendiaten um die Welt, damit sie andere Länder kennenlernten und zu Hause in Frankreich darüber berichten konnten. Er bereiste selbst die Welt, ließ filmen und fotografieren - wobei er es erstaunlicherweise hasste, auf Filmen oder auf Fotos zu sehen zu sein.
Auf diese Weise entstanden 72.000 autochrome Glasplatten und über 180 km Film, die das Archiv des Planetens begründen sollte: Die Sammlung sollte, laut Kahn, “to put into effect a sort of photographic inventory of the surface of the globe as inhabited and developed by Man at the beginning of the twentieth century”. Der Humangeograph Jean Brunhes verwaltete eine Zeitlang dieses Archiv. Heute wird alles zusammen mit Briefen, Tagebüchern und Notizen im Musée Albert Kahn aufbewahrt, in Boulogne-Bilancourt bei Paris, zu dem wie zu Kahns Zeiten auch ein japanischer Garten gehört. Dass BBC ermöglicht uns nun einen ganz besonderen Einblick.

Das Material, das Kahn zusammentragen ließ, ist außergewöhnlich: er ließ filmen, zu einem Zeitpunkt, als das Medium Film gerade mal erfunden war und außer Ozeanien ließ er zwischen 1912 und 1931 alle Kontinente der Erde filmisch und fotografisch kartographieren.
Selbst auf dem Fernsehbildschirm wirken die autochromen Fotografien in ihrer wunderbaren Farbigkeit. Unbedingt ansehen!

Hier ist die Seite von der BBC über das Buch zur Dokumentation.
Hier kann man ein französisches Video über das Museum ansehen.
Und hier ist ein Arikel über die Reihe in der Süddeutschen Zeitung.

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20.2.09

50 Jahre sammeln

Schon faszinierend: Die Sammlung der Superlative, weil hier zwei Sammler mit Herzblut und Leidenschaft - und nicht zu vergessen mit viel Geld - Werke aller Art zusammentrugen und das über 50 Jahre lang. Unser voyeuristisches Interesse befriedigt die Zurschaustellung der legendären Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé an diesem Wochenende im Grand Palais in Paris, Samstag und Sonntag, von 9 bis Mitternacht. Sammlungen heisst es eigentlich korrekter, da die über 700 Stücke auf zwei Wohnungen verteilt waren. Ab dem 23. Februar wird dann versteigert. Hier kann man sich schon einmal anschauen, wieviel man etwa für einen Degas anlegen muss, aber vor allem die Zusammensetzung der Sammlung bestaunen, die an eine Wunderkammer erinnert.

Die Medien sind gefüllt mit den Berichten über die Auktion; hier ein Interview in faz-net mit dem Galeristen, der die beiden mit "Stoff" versorgte, über die Sammelleidenschaft des Paares und hier ein Artikel über die Rückgabeforderungen aus China.

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28.1.09

Wie ein Museum auch an Objekte kommt

Zum zwanzigjährigen Geburtstag 2008 forderte das Musée d'Orsay in Paris vier Filmemacher auf, Kurzfilme über das Museum zu drehen. Dieses Projekt kam nicht zum Abschluss, dafür entstand ein Kinofilm mit dem Titel L'heure d'été - Sommerzeit. Der Regisseur Olivier Assayas hatte carte blanche und entspann eine Geschichte um die Verteilung des Erbes in einer französischen Familie. Hélène feiert ihren 75 sten Geburtstag zusammen mit Kindern und Enkelkindern in einem bourgeoisen Traum-Haus mit Garten, das aus einer anderen Epoche zu sein scheint. Die Mutter weiht den ältesten Sohn in ihre Vorstellungen ein, wie nach dem Tod mit dem Erbe umzugehen sei. Zu verteilen gibt es einiges: da wären die Art déco- Möbel von Majorelle, der Schrank von Josef Hoffmann, die Bilder von Odile Redon und natürlich die beiden Corots, nicht zu vergessen einige kostbare Vasen, Geschirr und die Stücke einer Statue von Degas, die die Kinder beim Spielen kaputt gemacht hatten.

Als die Mutter überraschend einige Monate später stirbt, müssen die drei Geschwister sich einigen, was mit dem Haus und der Sammlung passiert; beides hatte einst dem Großonkel, einem Künstler gehört; die Mutter hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Erbe über 30 Jahre lang zu pflegen. Nur der älteste Sohn, bezeichnenderweise ein Ökonom, ist daran interessiert, alles zu behalten. Er kann sich das aber nicht leisten. Nun kommt das Musée d'Orsay ins Spiel: manche Stücke hatte die Mutter dem Museum versprochen; nicht zuletzt ermöglicht der französische Staat, mit Kunst die Erbschaftssteuer zu zahlen.

Der Umgang mit dem Erbe wird mit prominenten SchauspielerInnen wie Juliette Binoche und Charles Berling leider etwas flach und vor allem leidenschaftslos erzählt. Es sind einige wenige Momente, die den Film sehenswert machen: Die Stücke der Statue von Degas werden in der Plastiktüte aus dem Supermarkt Leclerc aufbewahrt. Die Vase, die sich die Haushälterin nach dem Tod der Mutter heraussucht, weil sie ihrer Meinung nichts wert sei, da sie die Vase als häßlich empfindet und sie aus Bescheidenheit nichts Teures annehmen möchte - da weiss die Zuschauerin aber schon , dass diese Vase von einem bekannten Künstler stammt. Der mit Papieren überladene Schreibtisch, der so dekorativ im Atelier der Mutter stand, steht nun prominent im Museum, doch die BesucherInnen gehen achtlos daran vorbei - und die Erben fragen sich, wo er eigentlich besser gestanden hatte. Ohne eine Antwort zu finden.

Viel Neues oder gar Erhellendes zum Umgang mit Sachen liefert der Film nicht. Er bietet einige Hinweise darauf, wie wir mit Dingen umgehen, was sie uns wert sind, wie Dinge zum kulturellem Erbe werden und was mit ihnen - im Idealfall - im Museum passiert. So plätschert der Film vor sich hin, man wohnt verschieden Formen des Verlustes bei - der Verlust eines Menschen, von Dingen und eines Hauses, das für die Famile stand, die es nun nicht mehr gibt - deren Mitglieder sich aber freiwillig entschieden haben, sich von allem zu trennen.

Der Film ist dieser Tage in österreichischen Kinos angelaufen. Hier ein Interview mit dem Regisseur und hier eine Kritik im Orf

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7.12.08

Upside Down


Das Musée du Quai Branly (Paris) zeigt zur Zeit die Ausstellung "Upside Down - les Arctiques". Doug Wheeler, amerikanischer Experimentalkünstler und Szenograph der Ausstellung und Edmund Carpenter, Filmemacher und Anthropologe, ihr Kommissär wollen sie bewusst ohne Kommentare um den Besucher zu einer virtuellen Wanderung durch die Polarwelt einzuladen. Einzige Informationsquelle, eine kleine Broschüre die Objektekartelle und andere Texte ersetzen soll.
Der Raum ist in bläuliches Licht getaucht, durch die grossen gefärbten Glasfenster sieht man schemenhaft die Bäume des umliegenden Gartens, die Vitrinen von unten mit Neonröhren erleuchtet erinnern an Eisblöcke, die Beschallung lässt den Wind auf den riesigen Eisflächen erahnen. Das alles sieht auf dem Papier chic und trendy aus. In der Realität gehen die Besucher ratlos (und fröstelnd) zwischen den Glaskästen herum, wissen nicht was sie sehen. Die Objekte, Masken, kleine Skulpturen, sind berührend schön, mit einer bewunderungswürdigen Finesse ausgeführt, fremdartig... Man möchte so vieles wissen. Man möchte wissen wer die Menschen sind die diese zauberhaften kleinen Eisbären geschnitzt haben, wer diese Masken trug und warum... das magere Heftchen gibt kaum Antworten, die zum Grossteil sehr kleinen Objekte sind oft auf Kniehöhe angebracht, die zur Verfügung gestellte Lupe macht die Frustration nur noch grösser. Warum nicht wenigstens ein kurzer Film im Eingangsbereich, der erlaubt die Gegenstände zu situieren, mehr über ihre Erzeuger und Benutzer zu erfahren? Ein Film wird dort allerdings gezeigt: ein Willkommentanz bei dem die Bilder auf dem Kopf stehen...
Der Quai Branly bleibt sich treu: "Volkskunst" soll schön zum Anschauen sein, auf den Rest pfeift man!

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