3.4.10

Kein Ende der Fastenzeit in Hamburg

Für einige ist nun ja das Ende der Fastenzeit angesagt - für Hamburgs Museen gilt das allerdings nicht. Im Artikel von Petra Schellen in der Taz wird die Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck als Gutsherrin beschreiben, die nach Gutdünken mal hier und da die Gelder verteilt. Gerne in der Hochkultur - wie Elbharmonie, die, wen wundert das eigentlich noch, teurer wird als geplant, ungern an die 7 kulturgeschichtlichen Museen oder an low culture. Aber auch die Elbharmonie muss anscheinend darben: wenn der Bau so teuer ist, muss man halt am Programm sparen. Das sollen die Museen künftig auch: über Ausstellungen soll künftig eine Jury, die die Kulturbehörde einsetzt, entscheiden - nach Vorlage. Zugleich sollen natürlich BesucherInnenzahlen erhöht werden. Kein Wunder dass die DirektorInnen not amused sind.

Auch andere Medien informierten über die schlechte Stimmung in der Hansestadt: DeutschlandRadio berichtete über die Finanzmisere in Hamburg und die Welt über die Kehrtwende in der Museumspolitik.

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8.3.10

Das Kunst - Geld - Karussell

Wie die Kunstmuseen ihre Geschichte selbst erfinden, beschreibt der aufschlußreiche Artikel von Niklas Maak in Die gekaufte Kunstgeschichte in der FAZ. Es geht um das enge Verhältnis von Geld, Kunst und Museum. Maak beschreibt zwei Kunstsysteme, die miteinander im Wettstreit stehen - auf der einen Seite stehen die staatlichen, öffentlichen Kunsteinrichtungen, auf der anderen die reichen Sammler, die sich nicht mehr damit begnügen, die Museen zu unterstützen - mit Leihgaben oder mit Sponsoring. Der Unterschied ist, dass nun die Sammler quasi die gesamte Einrichtung übernehmen:
"Damit wird ein entscheidender Bruch vollzogen. Im Kampf darum, wie Bedeutung hergestellt wird, wie Macht entsteht, Deutungshoheiten behauptet und Eichsysteme für Qualität geprägt werden, haben sich offensichtlich die Gewichte verschoben. Wer hat die Macht im Kunstsystem? Wer entscheidet, was gezeigt wird, was als bedeutend gilt? Bisher war die Antwort auf diese Frage meistens: die staatlichen Ausstellungshallen und Museen, vielleicht noch die Biennalen - und weniger die privaten Sammler."
Maak beschreibt, wie auf diese Weise eine "zweite Kunstwelt" entsteht - in dem immer dieselben Namen auftauchen, Karrieren gesteuert werden - und vor allem die eigenen Kunstwerke promoten.
"Auf der Strecke bleibt bei diesen Einverleibungen die Urkompetenz des Museums als einer kulturellen Institution, in der unabhängige Experten Kunstwerke auswählen, sortieren, werten und in thematischen Ausstellungen präsentieren."

Vielleicht ein Indiz für die Museumskrise über Gottfried Fliedl bloggt?

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11.9.09

Kultur in Köln

Köln hat es schwer mit der Kultur: erst versinkt das historische Archiv im U-Bahn-Schacht, dann wird aus dem Plan mit dem jüdischen Museum nichts und nun hat das Stifterehepaar, das der Stadt einen Anbau für das Kölnische Stadtmuseum finanzieren wollte, seine Zusage zurückgenommen. Kulturelle Einrichtungen haben es in Köln schwer, langfristig auf festem Grund zu stehen.

Liest man den Kölner Stadt-Anzeiger oder die Welt online, so hat man den Eindruck, dass es sich bei dem Erweiterungsbau um einen großen Verlust handelt. Und die Schuldigen sind auch schon ausgemacht: PolitikerInnen von den Grünen und Linken, die unbequeme und überflüssige Fragen stellten.

Andere Quellen wie der WDR3 sind da schon etwas differenzierter.
Hier kann man sich anhören, dass es sich eigentlich um gar kein richtiges Geschenk gehandelt hätte - zuviele Klauseln, zuviel Kleingedrucktes, zuviel Rechte, die sich die Stifter vorbehalten hätten. Der Erweiterungsbau sollte schlüsselfertig übergeben werden, gebaut werden sollte nur mit einem bestimmten Architekten und einem Bauunternehmen - das widerspricht dem geltenden EU-Recht. Die Stifter hätten sehr viele Bedingungen gestellt, u.a. hätten sie oder ihre Erben den Erweiterungsbau jederzeit zurückverlangen können. Die Stadt hätte sich auf diese Weise in unabwägbare Abhängigkeiten begeben.

Vom Stadtmuseum selbst war in den Medien immer nur ganz am Rande die Rede: so, wie sich das anhörte, hätte das Museum nur sehr wenig zur Gestaltung zu sagen gehabt.
So gesehen ist es also eher positiv zu bewerten, dass eine solche unglückliche Form des Mäzenentums nicht realisiert wird. Es ist also doch wieder einmal alles gutgegangen!

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31.7.09

In Versailles

Wir bleiben in Frankreich: Herr Zitzmann hat sich für die NZZ das Schloss Versailles angeschaut und staunt über die Menschenmassen, die 3-4 Stunden für ein Ticket und dann für den Eingang anstehen:
"Kein Museum von Weltrang dürfte seine Besucher derart schlecht empfangen."
(Konkurrenz könnte allerdings aus Italien kommen: Die Uffizien in Florenz hätten auch gerne diesen Platz).
Zugleich staunt Herr Zitzmann darüber, dass sich niemand außer ihm für eine Führung in den beiden geschlossenen Etagen im Petit Trianon, dem Schloss von Marie Antoinette, interessiert. Zitzmann situiert Versailles irgendwo zwischen Disney und Service public. Alles drehe sich in Versailles letztendlich um Vermassung sprich Vermarktung.

Frappiert war ich auch über den Hinweis auf die Eintrittskosten, die seit 2005 um 80 % gestiegen sind! Auf der Internetseite ist reichlich unübersichtlich aufgelistet, was man für welche Gebäude und die Besichtigung des Parks bezahlen muss - für 20 Euro kann man auf alle Fälle alles sehen. Da kann man froh sein, eine ICOM-Karte zu besitzen oder unter 26 Jahre jung zu sein und aus einem EU-Land zu kommen - denn für den oder die ist der Eintritt frei.
Für Monsieur Aillagon, seit zwei Jahren Präsident von Schloss und Park, dessen Blog wir hier schon vorgestellt haben, bleibt einiges zu tun.

Wir empfehlen natürlich das ganze Programm, aber eher nicht im Sommer und natürlich unter der Woche. Vor allem sollte man sich für den Park und den Weiler von Marie Antoinette Zeit nehmen. Und zur Vorlektüre wird das hier (etwas Eigenwerbung kann ja nicht schaden), empfohlen.

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21.7.09

Erzählen und im Team arbeiten

So beschreibt der Direktor des Historischen Museums Bern, Peter Jezler, seine Tätigkeit als Ausstellungsmacher in der NZZ:
"In meiner Funktion als Ausstellungsmacher habe ich mich als Erzähler verstanden, der die Originalobjekte wie die Arien einer Oper behandelt und die Rezitative dazwischen mit den Mitteln der visuellen Kommunikation zu ergänzen versucht. Für mich wird eine Ausstellung dann kunstvoll, wenn Thematik, Exponate, Texte und Visualisierungen in einer Gesamt-Dramaturgie aufgehoben sind, welche durch Raumgliederung, Farbkonzept, Licht und Inszenierung ihren emotionalen Ausdruck gewinnt."

In Bern kann man sich allerdings nicht mehr lange von seinen musealen Praktiken überzeugen, denn Jezler geht - trotz zahlreicher Erfolge auf verschiedenen Ebenen. Anscheinend konnte er nicht alle seine Vorstellungen in Bern verwirklichen. Ab September leitet Jezler die Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel. Hier noch ein Interview mit Jezler über die Ausstellung Karl des Kühnen im Tagesanzeiger.

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20.5.09

Die ZEIT geht ins Museum

Seit Anfang Mai geht die ZEIT ins Museum. In Karlsruhe wurde schon die Kunsthalle, in Berlin das Kunstgewerbemuseum besucht. Wir sind gespannt, wohin der Museumsführer - so heißt die neue Serie - uns noch so überall hinführen wird. Wir hätten da so einige Tipps...

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30.3.09

Rasen und Bäume für ein attraktiveres Museum

17 Millionen Euro wird man sich in Paris die Sanierung der Cité des sciences et de l'industrie in Paris kosten lassen - kosten lassen müssen, denn nach 23 Jahren bröckelt schon etwas Farbe ab. Auch vor der Institution wird kräftig erneuert: der große, leere, gepflasterte Platz vor der Cité der besonders bei schlechtem Wetter immer so abweisend wirkte, wird mit Rasen und Bäumen bepflanzt - auf dieser Weise steht die Cité komplett im Park. Bis 2012 sollen die Sanierungsarbeiten fertiggestellt sein; werden peu à peu vollzogen. Das stand hier in Le Monde.
Und noch ein Nachtrag zu den Besucherzahlen: die Cité ist in den Top five der meist besichtigten Museen in Frankreich. Aus der von mir im Museumsblog genannten Statistik fiel sie heraus bzw. wurde extra aufgeführt (aus Gründen, die ich nicht kenne): 2007 hatte die Cité über 3 Millionen BesucherInnen. Seit der Eröffnung 1986 sind das insgesamt über 67 Millionen Menschen, die sich die Ausstellungen und/oder Dauerausstellung anschauten.

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25.3.09

Hängende Soßentropfen und Wurstsofas

Ein Artikel auf Spiegel online, vor Tagen überflogen, geht nicht mehr aus dem Kopf und deswegen landet der Inhalt jetzt hier: es geht um die Wurst bzw. um die Currywurst. In Berlin soll im August ein solches Museum geöffnet werden. Die Gründung geht natürlich darauf zurück, dass in Deutschland so viele Currywürste gegessen werden und Berlin als Erfinder der Wurst gilt (was Hamburg aber nicht so sieht). Warum man deshalb gleich ein Museum bauen muss bzw. eine übergroße Imbissbude mit historischen Ecken Museum nennen muss, leuchtet nicht wirklich ein.
Das sogenannte Museum soll beim Checkpoint Charlie stehen und auf über 1000 qm eine Art "begehbare Imbussbude" darstellen: "An Stehtischen sind Hörstationen in Form von Ketchup-Flaschen aufgebaut, an denen Prominente ihre Liebe zur Currywurst erklären". Natürlich soll die Geschichte der Erfindung gezeigt werden, es werden Wurstsofas rumstehen und Soßentropfen hängen von der Decke. "Das Geheimnis der Currywurst liegt in der Soße, das haben wir als Leitmotiv genommen", erklärte einer der Macher. Bei so viel Einfallreichstum wundert es nicht, dass man hier auch Currywürste aller Art - von Sterneköchen gemacht - probieren kann.
Was die Besucherzahlen anbelangt, geben sich die Macher bescheiden: 350.000 BesucherInnen im Jahr sind anvisiert. "Wir nehmen das eher sportlich", sagt der Kurator Martin Löwer. "Es ist ein witziges Thema und ein interessantes." So steht es im Spiegel. Was der Spass kostet, auch. Ein paar Freunde haben zusammengelegt und mal eben so 50 Millionen Euro locker gemacht. Bei so einer Summe muss man wohl wirklich nicht so genau hinschauen.
50 Millionen - was man damit alles machen könnte, und das im notorisch armen Berlin, in dem es wirklich genug kulturelle Projekte und Museen gäbe, die förderungswürdig sind - die sich aber als Museum nicht so gut vermarkten lassen, weil unter Umständen Objekte in Vitrinen liegen oder Bilder an der Wand hängen, also keine Soßentropfen von der Decke hängen.
Also ich gehe in Berlin lieber zu meinem bevorzugten Currywurst-Stand und lese das Buch von Uwe Timm. Diejenigen, die nachlesen möchten, was Museum ist bzw. sein kann, verweise ich wieder einmal auf das spannende Glossar von Gottfried Fliedl.

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24.3.09

Lieblingsbilder gesucht

Peter Bürger von der NZZ geht in Braunschweig ins Museum und ist begeistert: im Herzog Anton Ulrich-Museum können die BesucherInnen mit entscheiden, was künftig in den renovierten Sälen zu sehen sein wird. Für die Ausstellung wachgeküsst hat man das Depot gesichtet und die "Glanzstücke" herausgeholt: 100 Gemälde, die in der engeren Wahl für die neue Präsentation nach der Renovierung stehen. Die BesucherInnen können aus dieser Auswahl ihr Lieblingsbild wählen. Die Auswahl wird später berücksichtigt, so heisst es auf der Ausstellungsseite.

Herr Bürger ist nicht nur von den Werken begeistert, die er in Braunschweig entdeckt und nicht erwartet hätte - wie etwa ein Familienbild von Rembrandt oder niederländische Landschaftsmalerei vom Feinsten. Bürger lobt auch die Aufforderung der beiden Kuratorinnen, sich die Bilder richtig anzusehen, um überhaupt ein Lieblingsbild wählen zu können. Als Sehhilfe gibt es ein kleines Heft mit Kommentaren, das durch die Ausstellung begleitet. Für Bürger ist die Ausstellung "eine Verführung zum Sehenlernen und zur Ausbildung eigener Vorlieben", die er sehr angenehm und lehrreich findet im Vergleich zur sonstigen Kunst-Event-Kultur, bei der das Schlange-Stehen vor dem Museum die Hauptsache bildet und nicht so sehr die Ausstellung selbst.
Bis zum 26.4. kann in Braunschweig noch gewählt werden.

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18.3.09

Wo MuseumsbesucherInnen so hingehen

Die neuen Zahlen sind da: Wie in jedem Jahr, gibt das Kulturministerium in Frankreich wieder Auskunft über das kulturelle Leben in Frankreich - in Form von Statistiken. Nun kann man sich die komplette Broschüre von 2009 herunterladen; die Zahlen gelten für 2007.

Was hier natürlich interessiert, sind die Besucherzahlen in den Museen, die hier angegeben werden für die Musées de France (d.h. Museen, die ein gewisses wissenschaftliches Niveau erfüllen). Knapp 1200 Museen wurden berücksichtigt; sie hatte etwas über 51 Millionen BesucherInnen im Jahr 2007 - knapp eine Million mehr als 2006.
Die Hitliste hat sich, wen wundert's, im Vergleich zu den Jahren davor nicht geändert; alle Museen befinden sich in Paris bzw. im Großraum Paris. An der Spitze steht weiterhin der Louvre mit über 8,2 Millionen Besuchern, gefolgt von Versailles (über 5,3 Millionen), Musée d'Orsay (über 3,1 Millionen) und das Musée d'art moderne im Centre Pompidou (über 2,5 Mill.). Auf Platz 5 steht das Musée du quai Branly mit über 1,4 Mill., gefolgt vom Musée de l'armée (über 1,1 Mill.) - woher auch das Bild stammt: auch weite Wege zu den Kassen schreckt die BesucherInnen nicht ab, gilt es hier doch vor allem, das Grab von Napoleon I. zu besichtigen.


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9.3.09

Archive schützen!

Ist die Digitalisierung von Archivgut, wie es nun Burkhard Spinnen angesichts der Kölner Tragödie hier in der Frankfurter Rundschau vorschlägt, die einzige richtige Lösung? Anscheinend ist das bei einigen der Urkunden, Fotografien, Karten und Plänen in Köln auch schon der Fall gewesen. Und das ist auch gut so; eine Digitalisierung sollte in Köln (nun ja teilweise leider zu spät) oder anderswo auch vorangetrieben werden.

Doch nichts, aber auch nichts kann das Original ersetzen. Wer selbst schon Archive benutzt hat, weiß nur zu gut, wie spannend es ist, wenn man sich ein Original ansehen darf. Deswegen fände ich es sehr sinnvoll, sich vor allem darum zu kümmern, dass die Originale gut behandelt werden - das heißt das kulturelle Erbe auch fachgerecht aufzubewahren, wie es hier etwa im Artikel von Gerhard Banik und Sebastian Dobrusskin beschrieben wird. Auf der Seite des Forums Bestandserhaltung gibt es übrigens auch eine Liste dazu, was in Notfällen zu tun ist.
Köln nützt das freilich alles nichts mehr. Aber vielleicht kann Köln als lehrreiches Beispiel dienen, Hinweisen, die es wohl gegeben hat, auch rechtzeitig nachzugehen, um Kulturgut zu schützen.

Wer sich für Digitalisierung in Archiven, Bibliotheken und Museen interessiert, kann sich hier auf nestor informieren: das ist das deutsche Kompetenznetzwerk zur digitalen Langzeitarchivierung (gefördert vom BMBF).

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4.3.09

Rückseiten


Schön anzusehen: die Inventarnummern von Gemälden im Prado in Madrid.
Gefunden im Adresscomptoir von Anton Tantner.

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23.2.09

Wieder eröffnet

Das irakische Nationalmuseum in Bagdad wurde heute wieder eröffnet. Das ist deswegen eine besondere Meldung, weil das Museum beim Einmarsch der amerikanischen Streitkräfte geplündert und das Museumsgut in alle Welt verhökert wurde. Nun wurde heute das Museum wieder eröffnet - freilich nur mit einem kleinen Teil der Sammlung.

DeutschlandRadio berichtete heute live von der Museumseröffnung.
Hier steht etwas in der Berliner Zeitung über die Eröffnung.

Mehr zu den Plünderungen bzw. über die "Verteilung" von Museumsgut in der Süddeutschen Zeitung von 2003, in der NZZ stand ein Augenzeugenbericht einer Archäologin. Zu den amerikanischen Strategien, Kulturgüter überhaupt zu erkennen, hier im Museumsblog.

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4.2.09

Nachts im Museum

Marc Zitzmann, von der NZZ, geht in Paris nachts ins Museum
und berichtet hier darüber.

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22.12.08

Mit Hartz IV ins Museum

Na, wenn das mal keine Weihnachtsnachricht ist: bis zum 8. Februar können in Dresden sächsische Hartz IV-EmpfängerInnen und Angehörige umsonst in die Staatlichen Museen gehen. So oft, wie sie wollen und in jede Ausstellung, die Kundenkarte der ARGE dient als Eintrittskarte. Schöne Aktion, könnte und sollte länger dauern.

Hier kann man nachlesen, warum der ehemalige Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin gegen den freien Eintritt ist, hier, weshalb Hanno Rauterberg dafür ist und Gottfried Fliedl erinnert uns in seinem Glossar: "Die Einhebung einer Eintrittsgebühr ist - neben der Regelung der Öffnungszeiten -, das wichtigste Instrument der Museen zu Herstellung sozialer Distinktion."

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1.12.08

Überraschende Nominierung

Italiens Regierung ist immer für Überraschungen gut: diesmal kommt sie aus der Museumsszene. Da wurde nämlich der 63 jährige Mario Resca zum Direktor der nationalen Museen und Galerien ernannt.  Resca ist weder Kunsthistoriker noch Museumsmanager, sondern "schlichter" Museumsbesucher wie er in einem Interview feststellte. Er habe auch nichts über fast-food gewusst bevor er McDonalds leitete, und nichts über Glücksspiel bevor er zum Kasinodirektor ernannt wurde... Einig sind sich aber alle über seine Manager Fähigkeiten. Und daran scheint Bedarf zu sein, ist doch kein einziges der italienischen Museen unter den internationalen Tophäusern zu finden. Seine Ambition ist es, das Image der Kunstsammlungen aufzuwerten, den Kulturtourismus anzukurbeln und dem Vorbild des Louvre im internationalen Ausstellungsaustausch zu folgen. Man darf gespannt sein...

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24.11.08

Langsam in München

Jetzt erst habe ich das Interview mit Chris Dercon neulich in der Süddeutschen Zeitung gelesen. Es ist sehr lesenswert, was der Leiter des Hauses der Kunst in München zu sagen hat. Er stellt nämlich klar, dass man vieles in Kunstmuseen nicht machen muss - wie Boutique-Kunst zeigen, oder überhaupt ans Telefon gehen, wenn einem ein Berater eine komplette Ausstellung inklusive Katalog und Preview bezahlen möchte. Dercon möchte das Museum "für unterschiedlichen Menschen zu gleicher Zeit weit öffnen". Er sieht die Stärke im Museum durch seine Langsamkeit: "Wir sind sexy, weil wir langsam sind" und er sagt voraus, dass diese Langsamkeit noch lange andauern wird.
Im Haus der Kunst zur Zeit zu sehen: die Ausstellung Spuren des Geistigen aus Paris. Interessant klingt auch das Angebot, im Museum mit der guided tour do you speak art? englisch zu lernen. Die Öffnungszeiten sind sehr arbeitnehmerfreundlich: täglich 10-20 Uhr und donnerstags bis 22 Uhr.

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4.9.08

Museum mit Problem

Haben es die Völkerkundemuseen schwerer als andere Museen? In Stuttgart scheint das der Fall zu sein. Das Lindenmuseum hat einige Probleme: Der kaufmännische Direktor musste nach Unstimmigkeiten gehen, der wissenschaftliche Direktor wird für seinen Führungsstil hart kritisiert und das Museum am Hegelplatz hat immer weniger Besucher. Das alles ist zu lesen in der Stuttgarter Zeitung.
Zur Zeit ist im Lindenmuseum die Ausstellung Grönland-Inuit. Leben am Rande der Welt zu sehen.

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22.8.08

Absolut lesenswert

Das ethnographische Museum in Neuchâtel ist seit langem für seine provokanten und insolenten Ausstellungen bekannt - um nicht zu sagen, berühmt und berüchtigt. Anlässlich des 100 Jahre Jubiläums 2004 kam im darauffolgende Jahr ein über 600 Seiten starker, reich illustrierter Band heraus, der "Cent ans d'ethnographie sur la colline de Saint-Nicolas, 1904-2004" nachzeichnet. 
Der erste Teil widmet sich der Geschichte des Museums, von seinen Anfängen als Kuriositätenkabinett über die kolonialen Sammlungsexpeditionen, die universitäre Einbindung und die Rolle Van Genneps bis hin zu neun Ansätzen für eine Anthropologie/Ethnologie des 21. Jahrhunderts. Ein weiterer Teil lässt Mitarbeiter zu Worte kommen, die ihr Lieblingsobjekt vorstellen. Kollegen aus dem In- und Ausland sind eingeladen, ihre Sicht auf das MEN darzulegen und der Sclussteil berichtet über das Jubiläumsjahr, seine Festlichkeiten und Events.
Was aber das Buch so ausserordentlich lesenswert, ja unentbehrlich für alle im Ausstellunsgbetrieb Tätigen macht, ist jener Teil in dem die Ausstellungsarbeit des MEN im Mittelpunkt steht und hier ganz besonders die Zeit zwischen 1981 und 2004 die von einer immer weiterreichenden Suche nach neuen Inhalten und szenogafischen Inszenierungen unter der Direktion des charismatischen Jacques Hainard Zeugnis ablegt. Alle Ausstellungen finden sich hier einem Schema folgend versammelt: ein emblematisches Foto, das Plakat, Fotos die die grossen Ausstellungslinien widergeben, Pläne und Details zur Konzeption und zur Szenographie, Fotos mit Ausstellungsdetails, eine Analyse, Pressereaktionen und ein Verzeichnis von Publikationen zur Ausstellung runden jedes einzelne Kapitel ab.
Die ca. 90 Euros die der Band kostet können kaum besser angelegt werden!

Gonseth, Marc-Olivier, Jacques Hainard, Roland Kaehr (dir.), 2005, Cents ans d'ethnographie sur la colline de Saint-Nicolas, 1904-2004. Neuchâtel, MEN (ISBN 2-88078-029-2)

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14.8.08

Mal wieder über Dinge lesen.

Es geht hier um Dinge, im Museum, aber auch im Alltag und um die vielfältigen Beziehungen zu den Dingen aus historischer, ethnographischer, soziologischer oder museologischer Perspektive. Darüber wurde einmal anläßlich der "Ersten kulturwissenschaftlichen Gespräche" 2002 im Ludwig-Uhland-Institut in Tübingen zu Ehren von Gottfried Korff diskutiert. Gudrun M. König hatte 2005 die Gespräche als Buch herausgegeben, doch das ist leider vergriffen. Man braucht sich darüber aber nicht zu grämen oder schlechtgelaunt in eine überfüllte Bibliothek gehen - denn man kann es sich hier als pdf herunterladen. Sehr schön.

Gudrun M. König (Hg.):
Alltagsdinge : Erkundungen der materiellen Kultur. (Studien und Materialien des Ludwig-Uhland-Instituts der Universität Tübingen ; 27. Tübingen 2005

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