13.12.09

Figurinen XV


Anonym und etwas verfremdet verrichten die Figurinen im Olivenmuseum der Firma Carli in Imperia ihre museale Arbeit.

Labels: ,

18.6.09

Kunst in der Toskana

Man muss sich schon Zeit nehmen, möchte man alle Installationen sehen, die auf dem Gelände von 16 Hektar ausgestellt sind: Il Giardino di Daniel Spoerri beherbergt seit 1997 Skulpturen und Installationen von über 40 KünstlerInnen; darunter viele Arbeiten von Hausherr Daniel Spoerri selbst.





Wir besuchten den Park an einem heißen Sommertag. Als Besucherin wird man mit einem Plan ausgestattet, der einen Rundgang empfiehlt. Am spannendsten ist es aber, sich einfach überraschen zu lassen. Da biegt man zum Beispiel um's Eck und sieht im Gebüsch das Pariser Hotelzimmer, das Spoerri in den 1960er Jahren bewohnte - nun für ewig in Bronze gegossen.

Manche Skulpturen passen sich der hügeligen Landschaft und den Farben an; andere machen einen schon von weitem neugierig - wie die überdimensionierte Gänseherde von Olivier Estoppey.
So verbringt man einen Tag voller Überraschungen und ungewöhnlichen Kunsterlebnissen - ein Ausflug, der sich auf alle Fälle lohnt.


Wer nicht so weit fahren möchte, kann Spoerri auch in Österreich erleben: In Hadersorf in Niederösterreich eröffnet Spoerri morgen in einem ehemaligen Kloster ein Ausstellungshaus und ein Esslokal - kein Museum, wie Spoerri betont.

Die Frankfurter Rundschau sprach mit Spoerri in einem Interview über sein Vorhaben. Auch das ORF berichtete vorab sowie der Tagesspiegel.

Labels: , ,

26.5.09

Figurinen im Museum IX

Eingang ins Museum (auf dem Balkon "Sissi") Urlaubserinnerungen

Lebensecht und doch verfremdet, Teil der Inszenierung aber inmitten des Publikums - Figurinengruppen im Meraner Touriseum


Folklore für und Eingenommenheit gegen "Sommerfrischler"

Labels: ,

1.12.08

Überraschende Nominierung

Italiens Regierung ist immer für Überraschungen gut: diesmal kommt sie aus der Museumsszene. Da wurde nämlich der 63 jährige Mario Resca zum Direktor der nationalen Museen und Galerien ernannt.  Resca ist weder Kunsthistoriker noch Museumsmanager, sondern "schlichter" Museumsbesucher wie er in einem Interview feststellte. Er habe auch nichts über fast-food gewusst bevor er McDonalds leitete, und nichts über Glücksspiel bevor er zum Kasinodirektor ernannt wurde... Einig sind sich aber alle über seine Manager Fähigkeiten. Und daran scheint Bedarf zu sein, ist doch kein einziges der italienischen Museen unter den internationalen Tophäusern zu finden. Seine Ambition ist es, das Image der Kunstsammlungen aufzuwerten, den Kulturtourismus anzukurbeln und dem Vorbild des Louvre im internationalen Ausstellungsaustausch zu folgen. Man darf gespannt sein...

Labels: , ,

8.10.08

Mal schauen, wo und wie die Oliven wachsen


Firmenmuseen sind ja manchmal eine zweischneidige Sache - man wird hindurch geschleust, und es erinnert alles an eine Verkaufsausstellung. Im Olivenmuseum in Imperia geht es am Ende natürlich auch um's Kaufen, handelt es sich doch um die Sammlung der Firma Fratelli Carli, die Olivenölprodukte herstellt. Museum und Shop sind aber angenehmerweise räumlich voneinander getrennt. In der sehenswerten Ausstellung erfährt die Besucherin, was es mit den Oliven und dem Öl auf sich hat, woher die Oliven kommen, wie und wo die Olivenbäume wachsen, wie das Öl hergestellt wird, wer es nutzt und vieles mehr. Das alles ist großzügig, manchmal etwas plakativ, aber durchaus museal mit sehr schönen Exponaten dargestellt. Auch ohne Italienischkenntnisse hat man Spass an der Sache. So erfährt man endlich mal, weshalb die Amphoren diese und keine andere Form haben.* Leider bleibt die Gegenwart ausgespart - und es wäre doch interessant gewesen zu erfahren, wie heute das Ölgeschäft funktioniert.






Richtig, es geht um den idealen Transport in den Schiffen.

Labels: ,

28.5.08

Ausstellung annulliert

Neulich wurde hier im Museumsblog über eine geplante Ausstellung in Verona berichtet, in der Werke aus dem Louvre zu sehen sein sollten, die zuvor noch nie das Gebäude verlassen hatten und bei der es um viel Geld geht. Nun berichtet der französischsprachige Blog la tribune de l'art (der freundlicherweise gleich die englische Übersetzung mitliefert), dass diese Ausstellung abgesagt wurde; offiziell heißt es dazu:
“Given its present status, there is not enough time to organize this important exhibition, if one takes into account the works required as well as all of the technical, administrative and legal conditions needed to guarantee the arrival, safety and conservation of the masterpieces.”
La tribune de l'art hat vom zuständigen Kurator des Louvre erfahren, dass die Werke aufgrund von fehlenden Sicherheitsvorrichtungen in Verona vom Louvre zurückgezogen worden seien, und die Ausstellung nicht nur aufgeschoben sei.
Die Ausstellung findet also definitiv nicht statt. Sollte die Kritik, wie sie tribune de l'art hier formulierte, etwa angekommen sein?

Labels: , , , ,

13.9.07

Was man als Museumsaufsicht alles so können muss oder ein Besuch in den Uffizien

Wer in den Uffizien in Florenz als Aufsicht arbeiten möchte, der sollte
- kommunikativ sein (für die Unterhaltungen mit den KollegInnen)
- italienisch sprechen können (soll das über 90%ige ausländische Publikum doch italienisch lernen)
- gerne telefonieren (wenn hunderte BesucherInnen darauf warten, eingelassen zu werden oder wenn in den Ausstellungsräumen private Dinge geklärt werden müssen)
- gelangweilt schauen und gelassen reagieren (wenn BesucherInnen es mal wagen, die Unterhaltung der Aufsicht zu stören)
- rauchen (um sich die Zeit an der Eingangstür zu vertreiben, während man die BesucherInnen mit Barrieren in Schach hält)
- fingerfertig sein (für das Tippen von sms)
- kreativ denken (für das Lösen von Kreuzworträtseln)
Ich gebe zu: ich war nach über 2 Stunden Wartezeit genervt. Natürlich gibt es das Angebot, im Voraus zu reservieren, aber das geht natürlich nicht mehr einen Tag vorher (und kostet online 4 mal soviel: für zwei Personen inklusive Gebühren 43,40 Euro gegenüber einem Eintrittspreis von 10 Euro pro Person!). Ich war genervt, dass ich nicht mit meiner ICOM-Karte wie überall auf der Welt (zumindest in Berlin und Paris) an der Schlange vorbeispazieren konnte. Ich war genervt, dass man im Eingangsbereich so unprofessionell durchgeschleust wurde; dass der Weg zwischen Sicherheitscheck, Ticketkauf und Einlass völlig chaotisch verlief; dass sich die Toiletten auf der anderen Seite, also beim Ausgang befanden (so zumindest die Auskunft). Beim Ticketkauf bekam man nicht, wie ich es mir gewünscht hätte, einen Plan für die Ausstellungsräume in die Hand; man hätte sich einen Führer kaufen können, der 10 Euro kostet. Das merkte man allerdings aber erst oben und dann ging es nicht mehr zurück in den Museumsshop im Erdgeschoss.
Es ist eine grandiose Kunstsammlung, die es in den Uffizien zu besichtigen gibt. Die BesucherInnen kommen sowieso, also, so mein Eindruck, muss man sich auch nicht bemühen, alles besucherfreundlich zu gestalten. So zum Beispiel die nicht existierende Besucherführung; ein paar Tafeln wären hilfreich gewesen, wenn es schon keinen Flyer gab. Klar sind die Räume durchnumeriert, aber ein paar grundsätzliche Informationen wären schön gewesen. Zum Beispiel die Objektbeschriftungen (die immerhin auch auf englisch sind): hilfreich; aber merkwürdig: Meistens wurde mit einem Satz auf das Bild und das Motiv eingegangen, und dann ausführlich darüber geschrieben, wann und wie das Bild in die Sammlung kam. Oder es gab Sammelbeschriftungen, so dass man 10 Meter hin und her laufen musste. Insgesamt wirkte alles sehr lieblos gemacht. Dass durchaus Ambitionen da sind, merkte man, als man zum Schluss durch eine Ausstellung geschleust wurde, um den Ausgang zu erreichen: die Ausstellungsräume waren mit dunklen Spanplatten verkleidet; auch manche Bilder waren aus ihren opulenten, goldenen Rahmen genommen. Das wirkte sehr bizarr. Fazit: Unvergleichliches gesehen, aber in einem Ambiente, das der Bedeutung der Sammlung überhaupt nicht gerecht wird. Für das Geld, das die Stadt Florenz allein an den Ticket-Reservierungen verdient, könnte man einiges besser machen!

Labels: , ,

11.9.07

Kunst und Terror










Im September auf der Biennale di Venezia

Nicht oft geht man durch eine Ausstellung und hat Angst, dass sich die Welt jeden Moment auf dramatische Weise verändern könnte. Mir ging es so, als ich am 5. September in Venedig die Räume der Arsenale auf der 52. Biennale di Venezia 2007 betrat. Das lag nicht unbedingt daran, dass es gleich am Eingang eine „Airplanecrashclock“ (1997) von Charles Gaines (USA) zu sehen gab, und andere Kunstwerke, die explizit das Thema „Terror“ aufgriffen – es lag schlichtweg daran, dass seit meinem letzten Besuch in Venedig, am 11. September 2001, die Welt tatsächlich nicht mehr dieselbe ist. Nie werde ich vergessen, wie an einem Café-Stand am Seitenausgang der Arsenale-Hallen Unruhe aufkam. Es war früher Nachmittag, und ich wollte einen stärkenden Espresso zu mir nehmen, doch niemand interessierte sich dafür. Alle hefteten ihre Ohren an ein Radio und rätselten in allen Sprachen, was da wohl passiert sein könnte. So ganz ließ sich nicht klären, was in New York los war, also wendete ich mich wieder den Ausstellungsräumen zu. Erst am Abend, als ich im Hotel die Bilder im italienischen Fernsehen sah, wurde mir bewusst, dass sich diese Aufnahmen tiefer in mein Bewusstsein brennen würden als alle Kunstwerke, die ich zuvor gesehen hatte. Bereits am nächsten Tag war ich froh, Venedig verlassen und nach Hause fahren zu können, Zwischenstopps auf dem Weg nach Hamburg hatte ich abgesagt.
Im Vorfeld der 6. Jährung wurde ich wieder konfrontiert mit dem traumatischen Ereignis 2001, das niemand für möglich gehalten hätte. Wen wundert, dass sich inzwischen international Künstler damit auseinandergesetzt hatten, es auf vielfältige Weise mit sich, ihrer Gesellschaft oder Nation in Zusammenhang brachten. Unter dem Titel "Pensa con i sensi, senti con la mente" ("Denke mit den Sinnen, fühle mit der Seele") ist nun in Venedig eine große Ausstellung mit über hundert Künstlern aus der ganzen Welt entstanden, in den Giardini della Biennale und im Arsenal von Venedig. Es sind (im Gegensatz zum Großteil der Werke auf der Documenta 12 in Kassel) Werke, die durch Klarheit und Sinnlichkeit überzeugen, die komplexe Sachverhalte auf einfache Weise visualisieren. Das macht gute Kunst aus, auch die zu "nine-eleven". Cheri Samba aus dem Kongo etwa, der mit einigen Werken im italienischen Pavillon präsentiert wird, weist mit seinem apokalyptischen Bild „Après 11 Sept 2001“ darauf hin, dass der ausgebrochene Krieg auch einer der „Köpfe“ ist: Hautfarbe, Alter und Geschlecht spielen keine Rolle mehr, nur eine schwach leuchtende Kerze (die Religion?) darf nicht ausgehen, während der Kopf wild um sich schießt. Mounir Fatmi aus Marokko, zu sehen in der Afrika-Ausstellung am Ende der Arsenale, beschwört in seiner Klanginstallation „Save Manhatten 03“ (2006/07) – eine Stadt aus Audio-Boxen, die als Schatten die skyline von Manhatten an die Wand wirft und die Geräusche einer Stadt wiedergibt - die Normalität des Alltags zurück. Stark auch die Arbeit von Yang Zhenzhong aus China, der in seiner Videoinstallation “I will die”(2000-2005) Menschen aus aller Herren Länder ein memento mori abverlangt, indem er sie auf ihre persönliche Art und Weise diesen endgültigen Satz aussprechen lässt. Ruth Sacks aus Südafrika lässt in einer Videoarbeit ein Flugzeug am Himmel den Satz „Dont panic“ schreiben - ein Hoffnungsschimmer? Zumindest wurde mir auf dieser Biennale deutlich vor Augen geführt, dass es Bin Laden und Co. nicht gelang, die Kreativität und den Willen, an das Gute im Menschen zu glauben, auszumerzen. Es wird weiterhin internationale Biennalen geben, es wird weiterhin weltweit Künstler und ihr Publikum geben, die sich friedlich austauschen. Egal ob aus dem Orient oder Okzident.

Labels: , , ,