21.2.10

Im Zeughaus

Es ist kalt, es riecht leicht nach Ballistol, die Holzdielen knarzen und die Augen begreifen nicht so recht, was sie da eigentlich sehen: Vier Etagen voll mit Waffen, Harnische, Handfeuerwaffen, Helme, Kanonen, Stangen, Lanzen... rund 32. 000 Objekte, laut Beschreibung.
Wir sind im Landeszeughaus der Steiermark in Graz genauer in einer original erhaltenen Rüstkammer, die in diesem Gebäude (links ein Blick auf den Hintereingang) ab Mitte des 16. Jahrhunderts zur Verteidigung der Steiermark eingerichtet worden war.


Ende des 17. Jahrhundert war die Grenze nach Osten hin befriedet, Waffen und Rüstungen wurden überflüssig. Anstatt alles aufzulösen, verwandelte man dann einige Jahrzehnte später das Zeughaus mit den verbliebenen Restbeständen (das ist jetzt etwas abgekürzt) in ein Museum, das seit Ende des 19. Jahrhundert zum Universalmuseum Joanneum gehört.

Während die Rüstungskammer nahezu unverändert blieb, fügte man in den 1990er Jahren im Erdgeschoss eine Dauerausstellung hinzu, um die Notwendigkeit der Waffen für die Steiermark zu erklären und Situationen aus dem Alltag eines Soldaten aus dem 17. Jahrhundert zu visualiseren.

Trotz der didaktischen Einführung ist eine Mischung aus Faszination und Voyeurismus, die einem beim Durchqueren der langen Gänge mit den vielen Waffen begleitet, nicht von der Hand zu weisen. Viele der ausgestellten Objekte sind einfach schön: die kunstvoll verzierten Harnische oder die sorgfältig verarbeiteten Kuhhörner für Schießpulver eignen sich gut für eine Ästhetisierung.

Ein interessantes Kulturerbe, aber auch ein schwieriges - denn wie setzt man so etwas in Szene, ohne Gewalt zu verherrlichen?


Hier ein Video vom ORF für einen ersten Eindruck.

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27.10.09

Alles über Sonnemann

Die Eröffnung der Woche: die Ausstellung
Frankfurts demokratische Moderne und Leopold Sonnemann
Jude - Verleger - Politiker - Mäzen
im historischem museum frankfurt, am 28. Oktober um 18 Uhr.

Der Titel der Ausstellung klingt zwar etwas dröge - doch der Inhalt mutet spannend an: es geht um Leopold Sonnemann (1831-1909), Bürger der Stadt, der Großartiges (nicht nur) für Frankfurt geleistet hat. Immerhin hat die Stadt eine Allee nach ihm benannt. Liest man den Ausstellungsankündigung, so wird klar, dass er sehr viel mehr Denkmäler verdient hätte.

Sonnemann war Begründer der Frankfurter Zeitung, wirkte als Kaufmann, Bankier, Verleger und Politiker. Er zog eigentlich an allen Fäden in der Stadt, ob beim Städel-Verein (den er gegründet hat), beim sozialen Wohnungsbau oder bei Bauprojekten wie Palmengarten oder Alte Oper. Er setzte sich für Pressefreiheit ein, für Arbeitslosenversicherung - für einen demokratischen Staat. Kein Wunder, dass die Nazis die Erinnerung an einen solchen mutigen Mann, noch dazu jüdischen Glaubens, unterbanden: 1943 wurde die noch existierende Frankfurter Zeitung verboten, der Nachlass und damit auch die Erinnerung an ihn zerstört.
Nun erinnert an seinem 100. Todestag die Ausstellung an die Verdienste Sonnemanns - und wartet bestimmt noch mit dem einen oder anderen überraschenden Blick auf Frankfurts Geschichte auf.

Die Ausstellung entstand in einer Kooperation zwischen dem historischen museum frankfurt und dem Jüdischem Museum Frankfurt und ist bis Ende Februar kommenden Jahres zu sehen.


Zum Lesen: Ein Bericht in der Frankfurter Neuen Presse und ein Feature vom Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt.

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6.7.09

Jüdische Sportlerinnen in der NS-Zeit

In Berlin finden demnächst die Leichtathletik-Weltmeisterschaften statt. Wie es mittlerweile zu sportlichen Großereignissen gehört, sind darüber hinaus zahlreiche (kulturelle) Events geplant. Dafür stehen 2 Millionen Euro bereit - selbstverständlich können damit nicht alle Projekte unterstützt werden. Auch das Ausstellungsprojekt über jüdische Sportlerinnen, das im Arbeitsbereich Zeitgeschichte des Sports an der Universität Potsdam entstand, erhielt anscheinend keine finanzielle Unterstützung - vielleicht weil es nur zu deutlich macht, dass es den unpolitischen Sport nicht gibt?

Finanziert hat schließlich die Ausstellung die Alfried Krupp von Bohlen Halbach-Stiftung. Nun ist Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933, im Centrum Judaicum in Berlin zu sehen und auch im offiziellen Kulturprogramm der WM aufgenommen.

Anhand der Biographie dreier jüdischer Sportlerinnen - Gretel Bergmann, Lilli Henoch, Martha Jacob -, die in den 1930er Jahren sehr erfolgreich waren, wird gezeigt, wie die Ausgrenzung jüdischer Athleten in den Sport-Vereinen auf allen Ebenen durchgesetzt wurde. So wurde für die Olympiade 1936 in Berlin die Hochspringerin Gretel Bergmann aus dem Exil zurückbeordert, für Olympia nominiert, dann wieder ausgeladen - aufgrund ungenügender Leistungen, wie es hieß - dabei war sie die deutsche Rekordhalterin gewesen! Lili Henoch überlebt das Nazi-Regime nicht - sie wird in einem Lager ermordet.

In Deutschlandradio Kultur erzählen Hans Joachim Treichler und Jutta Braun von der Genese der Ausstellung und auch darüber, wie wenig die Vereine ihre eigene Vergangenheit reflektieren. Die ZEIT von der letzten Woche widmet sich dem Leben von Gretel Bergmann.
Die Taz berichtete im Vorfeld über die Ausstellung, hier der taz-artikel als Pdf.

Die Publikation zur Ausstellung: Bahro, Berno, Jutta Braun, Hans Joachim Teichler (Hg.): Vergessene Rekorde – jüdische Athletinnen vor und nach 1933, Berlin 2009. (16,90€)
Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert.

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3.7.09

Poker um die nationale Geschichte

Frankreich bekommt ein Geschichtsmuseum - diesen Plan hat Staatspräsident Sarkozy ja schon im Januar angekündigt (hier im Museumsblog). Jean Pierre Rioux war dann beauftragt worden, Standorte vorzuschlagen. Es soll etwas Prestigeträchtiges sein, denn es geht nicht nur um ein Museum für die französische Geschichte, sondern es soll ja auch das Museum von Herrn Sarkozy werden.

Der Bericht des Herrn Rioux wurde nie publiziert. Le Monde macht dennoch einiges öffentlich: Fünf Standorte werden hier favorisiert: Das Hôtel des Invalides, der Grand Palais, der Palais de Chaillot, das Schloss von Fontainebleau und das Schloss von Vincennes. Freilich, nicht alle diese Gebäude haben Platz: In Invalides teilt sich das Armeemuseum mit verschiedenen anderen Institutionen den engen Raum; im Palais de Chaillot befinden sich u.a. das Musée de l'Homme und das Marine-Museum.

Versailles ist anscheinend ganz aus dem Rennen - hier hatte sich der umtriebige Direktor Jean-Jacques Aillagon um ein nationales Geschichtsmuseum bemüht. Ebenso ist nichts mehr vom Musée de l'Histoire de France im Nationalarchiv in Paris zu hören.

Vor allem drei Orte stehen wohl in der engeren Auswahl: Invalides, Vincennes und Fontainebleau. Die beiden ersten Orte haben den Nachteil, dass hier das Verteidigungsministerium der Hausherr ist; das neue Museum wird aber in den Zuständigkeitsbereich des Kulturministeriums fallen - man befürchtet Konflikte. Fontainebleau hat den Vorteil, bereits zum Kulturministerium zu gehören; allerdings ist das Schloss etwa 60 km von Paris entfernt. Der neue Kulturminister Mitterrand bevorzugt anscheinend diesen Standort.

Was er oder andere wollen, ist aber in diesem Falle nicht so wichtig: der eigentliche Hausherr, der sich hiermit ein Denkmal setzen möchte, wird entscheiden. Irgendwann demnächst. Wie das alles geht, hat ja sein Vorgänger (und andere) vorgemacht - Geld von anderen kulturellen Projekten abziehen, möglichst viele Personen anheuern, sich Objekte aus anderen Sammlungen beschaffen... Und wird Jean Nouvel wieder den Neubau bauen dürfen?

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1.4.09

Wer hat Angst vor der "Cité de l'Immigration"?

Die Cité nationale de l'histoire de l'immigration die versucht, den Beitrag der Immigranten zur Geschichte Frankreichs zu verdeutlichen wurde am 10. Oktober 2007 dem Publikum zugänglich gemacht ohne dass jedoch jemals eine offizielle Eröffnung erfolgte.
Eine neue Gelegenheit für eine offizielle Anerkennung dieses wichtigen Museums und Dokumentarzentrums stellte die Eröffnung der Mediathek am 30. März dar. Vier Minister waren ursprünglich angesagt, doch der Präsident der Cité, Jacques Toubon, zog es vor, diesen Ankündigungen nur vorsichtig Glauben zu schenken. Er hatte recht: Kulturministerin Christine Albanel und Valérie Pécresse, Wissenschafts- und Universitätsministerin hatten schon einige Tage zuvor wichtige Agenda als Entschuldigung herangezogen. Eric Besson, Minister für Immigration und Integration sowie Erziehungsminister Xavier Darcos sagten kurzfristig ihre Teilnahme an den Eröffnungsfeierlichkeiten ab, da es vor dem Museum zu Protestaktionen kam.
Es ist einerseits kurios dass Politiker die Cité zu meiden scheinen, andererseits darf man sich auch über die Protestaktionen wundern. Sind sie angesichts der Einwanderungspolitik natürlich nicht überraschend, so sind sie aber gerade an diesem Ort nicht wirklich am Platz. 
Die nach dem Soziologen und Immigrationsspezialisten Abdelmalek Sayad benannte allgemein zugängliche Mediathek bietet zur Thematik der Migration  10.000 Bücher,  8.000 Artikel, 1.000 Dokumentar- und Spielfilme sowie eine grosse Zahl von schriftlichen und sonoren Zeugnissen und Datenbanken.
Die aktuelle Ausstellung widmet sich dem Vergleich zwischen der Situation in Frankreich und in Deutschland seit 1871 ("A chacun ses étrangers? France-Allemagne de 1871 à nos jours", bis zum 19. April), danach stehen die "banlieues" auf dem Programm ("Banlieues. Photographies de Patrick Zachmann", 26.5.-30.9.) und gegen Ende des Jahres eine Kulturgeschichte der maghrebinischen Einwanderung ("Générations, un siècle d'histoire culturelle des Maghrébins en France").

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21.2.09

Frankreichs Glanz und Glorie?

Jean Pierre Roux, ehemaliger Generalinspektor des Unterrichtsministeriums und Spezialist der politischen und kulturellen Geschichte Frankreichs im 19. und 20. Jahrhundert wurde von Christine Albanel damit beauftragt, einen Standort für das von Nicolas Sarkozy gewünschte Museum der französischen Geschichte zu finden.
Mehrere Vorschläge liegen bereits vor, so etwa in Paris das Hôtel des Invalides oder das hôtel de Soubise, (derzeit das historische Museum des Nationalarchivs), oder die Schlösser von Fontainebleau und Versailles wo seit 1837 ein Museum "à toutes les gloires de la France" beherbergt ist. Es stehe dem Historiker aber jederzeit zu, andere Vorschläge zu unterbreiten...

Der Standort einmal gefunden, darf man sich wohl fragen, welche Sammlungen hier ausgestellt werden sollen. Man darf sich auch fragen, ob heute ein neues historisches Museum in einem Schloss oder anderen Prestigebau in Paris oder seiner unmittelbaren Umgebung untergebracht werden soll. Und ob die Wahl eines solchen Ortes nicht auch den Inhalt vorgibt: Glanz und Glorie, Selbstbeweihräucherung eben.

Und man darf sich auch fragen, ob in einer Zeit wo praktisch alle bestehenden Museen mit Budgetkürzungen konfrontiert sind, wo bereits eingeleitete und relativ weit fortgeschrittene Projekte dem Sparfstift zum Opfer zu fallen drohen, wo die Museen in der Provinz ausgehungert werden, wirklich Platz und Geld für ein neues Museumsprojekt vorhanden sind? Aber Mitterrand hatte den "grand Louvre" mit seiner Pyramide, Chirac den Quai Branly, so braucht nun wohl auch Sarkozy sein Denkmal...!

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19.2.09

Hinschauen


Hinschauen, nicht wegsehen. Gurs 1939-1943 heisst die Ausstellung, die zur Zeit im Historischem Museum in Luzern gezeigt wird.
Anzuschauen sind die Werke aus der Sammlung Elsbeth Kasser. Frau Kasser war eine Krankenschwester aus der Schweiz, die während des Zweiten Weltkriegs für die Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für kriegsgeschädigte Kinder und das Schweizerischen Roten Kreuzes in Internierungslagern des besetzten Frankreichs tätig war. Sie brachte vor allem aus dem Lager in Gurs Aquarelle, Zeichnungen und Fotografien mit, die ein Stück weit den Alltag in den Lagern widerspiegeln.
In Gurs wurden u.a. deutsche, jüdische EmigrantInnen interniert, die sich in Frankreich vor dem NS-Regime sicher glaubten. Darunter waren viele Intellektuelle und KünstlerInnen wie Charlotte Salomon, Lisa Fittko, Hannah Arendt oder Max Lingner, von dem auch das Bild stammt (von der Seite des Historischen Museums). 1942/1943 wurden knapp 4000 Juden und Jüdinnen, die sich noch in Gurs befanden über Drancy bei Paris ins Todeslager nach Auschwitz deportiert.

Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt der Elsbeth Kasser-Stiftung, des Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Luzern, der Hochschule Luzern und der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz. Die Gestaltung entwickelten Studierende der Hochschule Luzern - auf der Seite der Elsbeth-Kasser-Stiftung ist das alles nachzulesen.
Die Sammlung wird heute im Archiv für Zeitgeschichte an der ETH Zürich verwahrt und kann hier angesehen werden.


Historisches Museum Luzern
Pfistergasse 24, CH-6000 Luzern 7 +41 41 228 54 24 / 22
Öffnungszeiten: 10-17 Uhr, Montag geschlossen

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28.1.09

Wie ein Museum auch an Objekte kommt

Zum zwanzigjährigen Geburtstag 2008 forderte das Musée d'Orsay in Paris vier Filmemacher auf, Kurzfilme über das Museum zu drehen. Dieses Projekt kam nicht zum Abschluss, dafür entstand ein Kinofilm mit dem Titel L'heure d'été - Sommerzeit. Der Regisseur Olivier Assayas hatte carte blanche und entspann eine Geschichte um die Verteilung des Erbes in einer französischen Familie. Hélène feiert ihren 75 sten Geburtstag zusammen mit Kindern und Enkelkindern in einem bourgeoisen Traum-Haus mit Garten, das aus einer anderen Epoche zu sein scheint. Die Mutter weiht den ältesten Sohn in ihre Vorstellungen ein, wie nach dem Tod mit dem Erbe umzugehen sei. Zu verteilen gibt es einiges: da wären die Art déco- Möbel von Majorelle, der Schrank von Josef Hoffmann, die Bilder von Odile Redon und natürlich die beiden Corots, nicht zu vergessen einige kostbare Vasen, Geschirr und die Stücke einer Statue von Degas, die die Kinder beim Spielen kaputt gemacht hatten.

Als die Mutter überraschend einige Monate später stirbt, müssen die drei Geschwister sich einigen, was mit dem Haus und der Sammlung passiert; beides hatte einst dem Großonkel, einem Künstler gehört; die Mutter hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Erbe über 30 Jahre lang zu pflegen. Nur der älteste Sohn, bezeichnenderweise ein Ökonom, ist daran interessiert, alles zu behalten. Er kann sich das aber nicht leisten. Nun kommt das Musée d'Orsay ins Spiel: manche Stücke hatte die Mutter dem Museum versprochen; nicht zuletzt ermöglicht der französische Staat, mit Kunst die Erbschaftssteuer zu zahlen.

Der Umgang mit dem Erbe wird mit prominenten SchauspielerInnen wie Juliette Binoche und Charles Berling leider etwas flach und vor allem leidenschaftslos erzählt. Es sind einige wenige Momente, die den Film sehenswert machen: Die Stücke der Statue von Degas werden in der Plastiktüte aus dem Supermarkt Leclerc aufbewahrt. Die Vase, die sich die Haushälterin nach dem Tod der Mutter heraussucht, weil sie ihrer Meinung nichts wert sei, da sie die Vase als häßlich empfindet und sie aus Bescheidenheit nichts Teures annehmen möchte - da weiss die Zuschauerin aber schon , dass diese Vase von einem bekannten Künstler stammt. Der mit Papieren überladene Schreibtisch, der so dekorativ im Atelier der Mutter stand, steht nun prominent im Museum, doch die BesucherInnen gehen achtlos daran vorbei - und die Erben fragen sich, wo er eigentlich besser gestanden hatte. Ohne eine Antwort zu finden.

Viel Neues oder gar Erhellendes zum Umgang mit Sachen liefert der Film nicht. Er bietet einige Hinweise darauf, wie wir mit Dingen umgehen, was sie uns wert sind, wie Dinge zum kulturellem Erbe werden und was mit ihnen - im Idealfall - im Museum passiert. So plätschert der Film vor sich hin, man wohnt verschieden Formen des Verlustes bei - der Verlust eines Menschen, von Dingen und eines Hauses, das für die Famile stand, die es nun nicht mehr gibt - deren Mitglieder sich aber freiwillig entschieden haben, sich von allem zu trennen.

Der Film ist dieser Tage in österreichischen Kinos angelaufen. Hier ein Interview mit dem Regisseur und hier eine Kritik im Orf

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15.1.09

Rosige Zeiten für die Kultur in Frankreich

Der französische Staatspräsident hat am 13.1. in Nîmes eine Rede gehalten, in der er der Kultur seine Unterstützung verspricht. In Le Monde kann man nachlesen, was der Präsident in Sachen Kultur so vorhat: er möchte nicht, wie schon befürchtet wurde, das Kulturministerium abschaffen und kürzt auch nicht dessen Etat - im Gegenteil, einige Bereiche erhalten sogar eine Aufstockung. Eine andere Maßnahme wird den Staat auch noch zusätzliches Geld kosten: wer jünger als 25 Jahre ist, soll ab April 2009 künftig umsonst in die staatlichen Museen dürfen. Sarkozy kündigte noch weitere Aktionen an, wie etwa eine Art Kunstrat, den der Regisseur Marin Karmitz leiten soll. Und er kündigt die Gründung eines französischen Geschichtsmuseum an - diese noch etwas vage Ankündigung bringen sicherlich viele Vermutungen hervor, wie und wo - als Standort im Gespräch ist etwa das Hôtel des Invalides, in dem sich neben dem Armeemuseum einige weitere Museen befinden.

Und, es geschehen noch Zeiten und Wunder, hat er etwas angekündigt, was von vielen lange erwartet wurde: Sarkozy möchte, dass das lange geplante, immer wieder verschobene Mucem, das Museum der Zivilsationen Europas und des Mittelmeeres in Marseille 2012 die Pforten öffnet. Da die Ankündigungen von Staatspräsidenten in Frankreich stets umgesetzt werden, kann man ja schon einmal die Reise nach Marseille planen.

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14.4.08

Propagandaphotos. Polemik um eine Ausstellung


Die Bibliothèque historique de la ville de Paris widmet eine Ausstellung dem Fotografen André Zucca (1897-1973). Bis zum 1. Juli kann man in der rue Mahler 200 Bilder sehen, die Zucca während der Bessatzungszeit in Paris aufgenommen hat: im Luxembourg Park spielende Kinder, Musiker der Wehrmacht bei einem open-air Konzert, elegante Radfahrerinnen etc. Die Kritik richtet sich nicht gegen das Interesse dieser umfangreichen Fotoausstellung sondern gegen das Fehlen jeglichen Hinweises auf den Kontext: André Zucca arbeitete ausschliesslich für die Zeitschrift "Signal", Publikation im Dienste der deutschen Wehrmacht, veröffentlicht in 20 Sprachen und mit einer Auflage von 2,5 Millionen, davon 800.000 in Frankreich. Zucca produzierte für "Signal" Dutzende von Reportagen über die Verheerungen der alliierten Bombenangriffe in Frankreich, und auch die hier gezeigten idyllischen Bilder des "Alltagslebens" im Paris der 40er Jahre. Einer der Vorwürfe ist, dass nur Datum und Ort der Bilder angegeben sind, kein weiterer Hinweis aber auf ihren spezifischen Kontext. Erst Proteste der Besucher haben dazu geführt, dass ein Blatt bei der Kasse aufliegt in dem man nachlesen kann, dass Zucca im Auftrag der Nazizeitschrift gearbeitet und die "Realität der Okkupation in ihren dramatischen Aspekten" ausgeklammert hat. Jean Derens, Direktor der Bibliothek, hält dies für ausreichend. Wenn ein Besucher nicht wisse was die Okkupation bedeutet hat, sei dies bedauerlich, aber man könne nicht jedesmal alles wieder erklären....
Kulturelle Welten schreibt hier darüber.

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25.2.08

Charles de Gaulle Superstar

Nicolas Sarkozy weihte am 22. Februar das "Historial Charles de Gaulle" in Paris ein. Dieses von der Stiftung de Gaulle angeregte und mitfinanzierte Projekt, ist ein neuer Meilenstein in der Modernsierung des Musée de l'Armée. 1.200 m2 sind dem Leben dieser emblematischen Figur der jüngeren französischen Geschichte gewidmet. Die von der Agentur Moatti und Rivière entworfene Szenographie stützt sich ausschliesslich auf Bild- und Tondokumente (de Gaulle war Zeit seines Lebens ein entschiedener Gegner des "Reliquienkultes") und zeichnet das Leben des Generals von seiner Geburt 1890 bis zu seinem Tod 1970 nach. Aus dem zentralen Kinosaal mit 200 Plätzen und mehreren grossflächigen Projektionswänden gelangt man zuerst in einen ringförmigen Ausstellungsraum und dann durch drei "Pforten" die den wichtigsten Daten seiner Laufbahn entsprechen (18.6.1940/Aufruf zum Widerstand - 26.8.1944/Befreiung von Paris - 4.9.1958/Gründung der V. Republik) in sogenannte "Alkoven" in denen weitere Informationen zu diesen Schlüsseldaten geboten werden. 18 Millionen Euros, 20% mehr als vorgesehen, kostete dieses Unternehmen mit seinen interaktiven Bildschirmen, virtuellen Büchern, dynamischen Bilderwänden...
De Gaulle der in Frankreich populärer ist als Napoleon soll mit diesem "Denkmal" vor allem ein nationales Publikum ansprechen: 2007 haben 800.000 ausländische Touristen, aber nur 400.000 Franzosen das Armeemuseum inklusive Invalidendom besucht. Man hofft also auf den neuen Superstar der "Grande Nation"!

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31.1.08

Der Römerberg erhält eine neue Attraktion

Nun ist es amtlich: das Stuttgarter Architektenbüro LRO (Lederer, Ragnarsdóttir und Oei) wird den Neubau des Historischen Museums in Frankfurt am Main gestalten. Die Frankfurter Rundschau ist begeistert:
"Der Brückenschlag, den der Siegerentwurf leistet, basiert auf einer Entwurfshaltung, die nicht aus einer harten Handschrift besteht, sondern aus einem geschmeidigen Selbstbewusstsein für das, was zur Verfügung steht: architektonisch, stadträumlich, historisch."
Die Entscheidung fiel übrigens fast einstimmig, wie man aus der Pressemeldung des Museums erfahren kann: Neun von zehn Stimmen entschieden sich für diesen Vorschlag. Wir BesucherInnen müssen uns leider noch etwas gedulden: der Baubeginn ist erst für 2012 vorgesehen.

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