22.3.10

2013, Marseille

2013 wird das Jahr von Marseille: die Stadt ist Kulturhauptstadt und das Mucem wird eröffnet. Hoffentlich, endlich, aber auch ohne eine der Personen, die das Ganze mit vorangetrieben haben:

Denn hier konnte man wieder eine interessante Personalie lesen:

Michel Colardelle, Conservateur général du patrimoine - und, seit 1996 Direktor des Mucem (gewesen), wurde nominiert: als Direktor für kulturelle Angelegenheiten - in Guyana (Département und eine Region Frankreichs zugleich). Die Nominierung hat ein Geschmack, wie Journal de l'Art schreibt: "Cependant, on peut s’interroger sur son intérêt et ses motivations, le ministère de la Culture ayant été soupçonné « d’exfiltrer » Michel Colardelle du projet du Mucem pour cause de divergence d’opinion sur la conduite du projet. " Auf gut deutsch heisst das: weggelobt. Das hatte sich schon seit knapp einem Jahr abgezeichnet - hier im Blog nachzulesen.

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11.12.09

Der erste Stein ist gelegt

Kaum zum glauben, aber wahr: über 10 Jahre nach der Ankündigung des Projekts hat nun am 30. November der Kulturminister Frédéric Mitterrand mit vielen salbungsvollen Worten den Grundstein für das Musée des Civilisations de l'Europe et de la Méditerranée (MuCEM) in Marseille gelegt.

Worte und Versprechen hat man in dieser Sache ja schon sehr viele gehört. Auch der Permierminister François Fillon hat die Unterstützung des Staates zugesagt - ohne zu erwähnen, dass diese unzähligen Ankündigungen zuvor schon öfters gemacht, aber stets nie eingehalten worden waren. Ist jetzt alles anders? 2013 ist Marseille Kulturhauptstadt und das MuCEM soll Ende 2012 mit zwei Ausstellungen eröffnet werden. Der Titel wurde auch gleich bekannt gegeben: Le noir et le bleu, le rêve méditerranéen » und « Masculin-féminin, le genre en question ». Wir sind gespannt!

Nachzulesen auf den Seiten des Museums, den Seiten des Kulturministeriums, in le moniteur und in einem Bericht von AFP. Das Bild stammt von der Seite des MuCEM.
Und hier noch ein link zur Absetzung des alten Direktos Colardelle und der Ernennung des neuen Direktors Suzzarelli im Museumsblog.

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20.5.09

Katze aus dem Sack!

Schon seit längerem schwirrten die Gerüchte, wurden Namen genannt, gab es Vermutungen jeglicher Art... nun ist die Katze aus dem Sack!
In einem heute veröffentlichten Communiqué gab die Kulturministerin Christine Albanel nun die neue Marschrichtung für das Marseiller MuCEM vor und nahm gleichzeitig dem amtierenden Direktor Michel Colardelle das Steuer aus den Händen.
"Wir stehen vor einer neuen wichtigen Phase des Projektes", sagte Albanel, das MuCEM sei "ein bedeutendes Projekt im Rahmen der Mittelmeer-Union, eine offene und pluridisziplinäre Kultureinrichtung" dem aber auch, Dank einer aktiven Leihgabenpolitik, eine Hauptrolle im Bereich der Kulturanthropologie zukomme.
Um die Eröffnung des Museums 2012 zu gewährleisten, ernannte die Ministerin Bruno Suzzarelli zum Direktor der "mission de préfiguration" mit der Auflage sich bereits in den nächsten Wochen in Marseille zu installieren um vor Ort die Realisierung des Projektes zu gewährleisten. Suzzarelli ist ein verdienter Beamter, inspecteur général des affaires culturelles und ehemaliger Verwaltungsdirektor des Kulturministeriums, das heisst ein Insider mit wichtigen Verbindungen zu den einzelnen Abteilungen aber weder ein Wissenschaftler noch ein Kulturmanager mit internationaler Erfahrung.
Neben der baulichen und administrativen Realisierung, den Verhandlungen mit den verschiedenen Instanzen und Partnern des zukünftigen MuCEM wird Suzzarelli auch mit der Erarbeitung der kulturellen Programmation sowie der Eröffnungsausstellung betraut.
Alles was die Sammlungen betrifft, die bereits vorhandenen ebenso wie die zu erstellenden, bleibt weiterhin in Paris unter der Leitung des amtierenden Teams...
Ein harter Schlag für Michel Colardelle aber auch für seinen wissenschaftlichen Beirat die seit fast einem Jahrzehnt an einem Konzept arbeiten. Auch wenn schon seit langem (zum grossen Teil berechtigte) Kritik an diesem Konzept und auch am Management geübt wurde, ist diese Neubesetzung, und vor allem ihre Art und Weise, nicht gerade ein Zeichen von Eleganz!

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6.3.09

Alles fürs Kind




Selbst wenn man Paris ausklammert und nur einen Vergleich mit anderen Provinzstädten (Lyon, Montpellier, Lille...) anstellt, ist Marseille, was Museen betrifft, nicht eben reich ausgestattet. Das Kunstmuseum im Palais Longchamp ist für Renovierungsarbeiten geschlossen, ein Ende dafür noch nicht abzusehen. Das historische/archäologische Museum dieser an griechischen und römischen Funden unglaublich reichen Stadt ist im Untergeschoss eines Einkaufszentrums vor jedem möglichen Publikumsandrang vorsichtshalber gut versteckt, das "volkskundliche" Stadtmuseum überhaupt geschlossen und vermutlich aufgelassen...

Einen Ort gibt es jedoch, der nicht so leicht seinesgleichen findet: Le Préau des Accoules. Mitten im ältesten Viertel der Stadt, dem Panier, gelegen war das zwischen 1699 und 1702 errichtete Gebäude ursprünglich ein Observatorium der Jesuiten. Als der Orden 1760 vertrieben wurde, ging das Gebäude in den Besitz der Stadt über, die 1780 hier die Akademie der Wissenschaften, Künste und Literatur (Académie des Sciences, Arts et Belles Lettres) einrichtete.

Hinter der nüchternen Fassade in der steilen, engen Gasse der Montée des Accoules, verbirgt sich ein grosser, heller Saal unter einem von neoklassischen Säulen getragenen Plattgewölbe, entworfen von Esprit-Joseph Brun zwischen 1782 und 83. Und hier befindet sich ein Museum, eigentlich eher ein Ausstellungssaal, der den Kinern gewidmet ist.

In Zusammenarbeit mit den verschiedenen Museen Marseilles werden hier Ausstellungen ganz speziell für ein junges Publikum (ab 4/5 Jahren) konzipiert. Die aktuelle Ausstellung heisst "Die Schule der Maler" (L'école des peintres). Anhand von 10 Portraitgemälden aus der Sammlung des Kunstmuseums können die Kinder eine Reise durch Europa und die Epochen zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert machen. Zwei Animateure begleiten die Kinder die ihrerseits den Spuren berühmter Künstler folgen, ihren Reisen, Begegnungen, Einflüssen zwischen Italien, Holland, Frankreich oder Flandern.

Es wird gemalt, und erklärt, gebastelt und ausgeschnitten... und das alles ist umsonst. Gerne von Schulklassen besucht, gelingt es dem Préau des Accoules so aber auch die in nächster Nähe beheimatete Bevölkerung, die zum grossen Teil aus Nordafrika und den Kommoren stammt, einzubeziehen. Es genügt die Türe aufzustossen....

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16.9.08

Gute Nachrichten

Vor etwa 30 Minuten gab die französische Kulturministerin Christine Albanel bekannt, dass Marseille 2013 europäische Kulturhauptstadt sein wird. Dies ist nicht nur eine vorzügliche Nachricht für die Stadt Marseille die dringend ökonomische, touristische und natürlich kulturelle Initiativen braucht sondern auch für das MuCEM. Das Musée des Civilisations de l'Europe et de la Méditerranée, seit langem versprochen, war ein wichtiger Pluspunkt für die Kandidatur Marseilles. Man darf also hoffen, dass spätestens 2013 dieses neue Museum seine Pforten öffnen wird!  

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27.3.08

MuCEM im Internet

Tippt man "www.ethnolgie.culture.fr" ein, so kommt man - überraschenderweise - auf eine website des Musée des Civilisations de l'Europe et de la Méditerranée. Die Absicht ist gut: wenigstens virtuell will dieses Museum seine Kollektionen und Forschungsvorhaben vorstellen. Wie gesagt, die Absicht ist gut, die Ausführung ist es jedoch weit weniger. Erster Kritikpunkt: das MuCEM will ein internationales Museum sein, sämtliche Texte der website sind jedoch nur auf Französisch...
Sieben Themen, die teilweise Ausstellungen entsprechen, können abgerufen werden: "Hip Hop, art de la rue, art de la scène" - "L'olivier, trésor de la Méditerranée" - "Cornemuses d'Europe et de la Méditerranée" - "Les voyages du verre" - "Café, Cafés" - "Les petites Arménies d'Europe et de la Méditerranée" - "Trésors du quotidien? Europe et Méditerranée". Die Navigation in den einzelnen Themen ist unterschiedlich und oft umständlich, manchmal werden Videos geboten, manchmal nur Texte und Bilder, wobei die Texte teilweise graphisch nicht leicht lesbar gestaltet sind. Folgt man dem link zur Haupt-Website des Museums, darf man erstaunt sein, dass die Rubrik "aktuelle Ausstellungen" das letzte Mal am 17. April 2007 aktualisiert wurde, die Seite zum Projekt des zukünftigen Museums gar im Juli 2003... Auch hier ist die Navigation schwerfällig und erlaubt es beispielsweise nicht, auf die Anfangsseite zurückzukommen.
Im Thema "Café, Cafés" fehlt jeglicher Hinweis auf die Wiener Kaffeehauskultur, in der Auswahl der Hinterglasbilder ("Les voyages du verre") liegt der Hauptakzent auf Bildern aus Rumänien (10) und dem islamischen Bereich (Syrien, Türkei, Tunesien, Iran 11 Beispiele), bedeutende Zentren wie Sandl (1) werden nur gestreift. Die Bezeichnung "Alsace/Oberammergau" stimmt nachdenklich... Der Eindruck besteht, dass die Kenntnisse der deutschsprachigen volkskundlichen Forschung zu den verschiedenen Themen unzulänglich bzw. nicht vorhanden ist.
Man darf sich fragen, ob das weitgesteckte geographische Feld des geplanten Museums - ganz Europa und der Mittelmeerraum - nicht dazu führen wird, nur eine "Zibebenschau" zu bieten. Die Augen sind da wohl grösser als der Magen und es ist zu hoffen, dass die für das Projekt Zuständigen entweder den Beobachtungsraum eingrenzen oder eine wirkliche Zusammenarbeit mit ihren Kollegen aus Europa und dem Mittelmeerraum zustandebringen - und von Zeit zu Zeit einen Blick auf andere Museumswebsites werfen!

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2.8.07

Wackelt das Projekt in Marseille?

Der lang angekündigte Neuanfang des nationalen Pariser Volkskundemuseums in Marseille, das als Musée des civilisations de l'Europe et de la Méditerranée (Mucem) an den Start gehen soll, scheint wieder einmal mehr auf der Kippe zu stehen. Grund dafür ist eine Äußerung der neuen Kulturministerin Christine Albanel in Le Monde vom 9. Juli. Auf ihre geplante Kulturpolitik angesprochen, kündigt die Ministerin an, das bislang vorherrschende Gießkannen-Prinzip beenden zu wollen: "Man muss eine Wahl treffen und die Projekte aufgrund ihres kulturellen Nutzens und ihrer Kosten bewerten, ohne den künftigen Betrieb aus den Augen zu verlieren. Ich werde deshalb jedes aufwändige Projekt prüfen, wie das Auditorium in Paris oder das Musée des civilisations de l'Europe et de la Méditerranée in Marseille, bei dem möglicherweise das wissenschaftliche Konzept weiter entwickelt werden muss."
Das werden die Verantwortlichen, Museumsleiter Michel Colardelle und Denis Chevallier, der das Team in Marseille leitet, nicht gerne gelesen haben. Denn schon seit 1999, als der Umzug der Pariser Institution offiziell beschlossen wurde, muss das Mucem ständig Steine aus dem Weg räumen: so zog das Musée du quai Branly in Paris die staatlichen Gelder ab; Marseille setzte sein Geld lieber im neuen Stadtquartier Euroméditerranée ein und hätte dem Museum am alten Hafen den America's Cup vorgezogen, der dann aber in Valencia stattfand. Eine Kulturministerin, die alles wieder in Frage stellt, hat noch auf der Liste der zu bewältigenden Hindernisse gefehlt.

Dazu auch: Joseph Hanimann in der F.A.Z. vom 22.6.2007: Der Bananenrock von Josephine Baker ist schon da (nicht online)

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25.4.07

Die Fäden des Vorgängers

Welche Objekte sind für ein kulturhistorisches Museum wichtig, bilden sozusagen seinen Kern? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Ausstellung in Marseille, die zugleich Appetit auf's Ganze machen soll. "Trésors du quotidien" zeigt 350 Objekte aus der Sammlung der über einer Million Objekte, die das Musée du national des Arts et traditions populaires (Atp) seit 1937 zusammengetragen hat und die den Grundstock des Mucem, des Musée des civilisations de l'Europe et de la Méditerranée in Marseille bilden. Während an dem von Rudy Ricciotti entworfenen Bau am Alten Hafen noch gearbeitet wird (die Eröffnung ist für 2011 vorgesehen), ist die ebenfalls zum Museumskomplex gehörende Kaserne aus dem 19. Jahrhundert für Wechselausstellungen bereit. Sie ist übrigens nach dem Gründer des Atp, Georges Henri Rivière benannt - was manche nicht für ein gutes Omen halten.
Die "Schätze des Alltags" sind in die drei Bereiche Zweckmäßigkeit, Unterschied und Weitergabe unterteilt. Die Geschichte hinter den alltäglichen Objekten erschließt sich für den Besucher mit Hilfe eines Audioguides. Die Schätze des Alltags sollen helfen, so das Mucem, die Welt zu verstehen. Dazu Michel Colardelle, Direktor des Mucem und Kurator der Ausstellung: "Es ist unmöglich, von Kultur zu reden, ohne von der Zeit, also von Geschichte zu sprechen". Aber genau darin sieht der Kritiker von Le Monde, Emmanuel de Roux, der schon jahrelang die Geschichte der Institution verfolgt, das Problem: Er wirft der Ausstellung vor, denselben Fehler zu reproduzieren, den schon Rivière im ATP begangen hätte. Rivière hatte für die ländliche Kultur Frankreichs eine eingängige Museographie entwickelt, in der die Objekte losgelöst von Zeit und Raum zumeist an Nylonfäden schwebten. Damals wie nun heute in Marseille würde der soziale und historische Kontext nicht berücksichtigt, so de Roux. Die Meinung teile ich für Paris nicht ganz, gab es im Atp doch viele Themen, die in Zeit und Raum verortbar waren. De Roux ist über die erste Ausstellung des Mucem in Marseille enttäuscht. Bis zum 24. September bleibt Zeit, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen.
Die Ausstellung, gesehen von Anne-Marie Romero in Le Figaro.fr. madame
Die Ausstellung via Kulturelle Welten.

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